Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

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Goldscheider.

scheidung IW. 05, 45^). Daß ich auch hier eine Haftung aus
unerlaubter Handlung annehme, soweit dritte Personen die Bedürfnis-
anstalten benützen dürfen, ergibt sich aus meiner grundsätzlichen
eingenommenen Stellung (S. 382).
3. In den nur für Gäste bestimmten Räumen tritt eine
Haftung aus unerlaubter Handlung nur den Gästen gegenüber ein;
diesen gegenüber aber haftet der Wirt auch aus unerlaubter
Handlung. Im übrigen s. hierüber oben S. 382.
Erfüllungsgehilfen (und Verschulden). Zur Er-
füllung seiner Verpflichtungen bedient sich der Wirt fast immer
seiner Gehilfen. Für seine Gehilfen muß er einstehen. Doch
haftet er nicht, wenn er beweist, daß er bei Auswahl des Gehilfen
die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat (§ 831 Abs. 1
BGB.). Dadurch wird die Haftung des Wirtes aus unerlaubter
Handlung selbst ganz erheblich eingeschränkt, denn nicht selten wird
cs dem Wirte gelingen, nachzuweisen, daß er in der Auswahl seines
Gehilfen sorgfältig verfahren ist; dem Gehilfen selbst fällt zwar ein
Verschulden zur Last, und an ihn kann sich der Geschädigte auch
halten, nicht aber an den Wirt. Diese Gehilfenhaftung nützt aber
dem Gaste gewöhnlich nichts, weil der Gehilfe nichts oder nicht soviel
besitzt, um den Gast schadlos zu halten.
Doch kann sich der Wirt nicht schlechterdings auf seine Gehilfen
berufen. Er hat eine Aufsichtspflicht über seinen Betrieb; er darf
nicht alles seinen Gehilfen anvertrauen, sondern muß die erforderliche
Aufsicht ausüben. Hat er seine Aufsichtspflicht verletzt, so haftet er
selbst. So hat das Reichsgericht angenommen, daß es unzureichend
sei, wenn ein Wirt den Gehilfen beauftragt, bei eintretender Dunkel-
heit das Licht der Wandeltreppe, die zu den Gastzimmern führt,
anzuzünden; es dürfe nicht alles dem Ermessen des Angestellten über-
lassen werden (DIZ. 06 Spruchbeil. 1260). Im Recht 07, 505
Nr. 983 ist ausdrücklich ausgesprochen, daß eine ständige Beauf-
sichtigung durch den Wirt nötig ist.
Fehlt es überhaupt von vornherein an den nötigen Vorsichts-
maßregeln, so daß für die Sorgfalt der Angestellten oder die Auf-
sichtspflicht kein Raum mehr bleibt, so haftet der Wirt schlechthin
(vgl. Recht 08 Nr. 197, IW. 12, 793»).
Beweislast. Die Verpflichtung des Wirtes zum Schadens-
ersätze stützt sich auf die §§ 823 Abs. 1 und 836 BGB. in aus-

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