Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

Die Haftung der Wirte für die Unfälle in ihren Räumen. 389

die die Verletzung einer Person, die sich im Gastzimmer aufhält,
ausschließt.
Eine besonders große Rolle spielen Unfälle auf der Kegelbahn.
Die Kegelbahn ist nicht nur für die Gäste bestimmt, sondern auch
für andere Personen. Wenn ich auch nicht so weit gehen möchte
wie Josef (BadRpr. 14, 86), der sogar Nachbarn einbezieht, denen
etwas auf die Kegelbahn gefallen ist und die es dort holen wollen,
so vertrete ich doch die Ansicht, daß der Wirt die Kegelbahn nicht
bloß seinen Gästen, sondern auch anderen Personen, z. B. solchen,
die Gäste dort abholen oder Leuten, die von Gästen zum Milkegeln
eingeladen werden u. dgl. eröffnet. Mit Recht nimmt deshalb das
RG. lRecht 09 Nr. 383) an, daß der Wirt dem Gaste eines Kegel-
klubs aus § 823 Abs. 1 haftet, wenn sich dieser Gast beim Kegeln
auf der Bahn einen Splitter unter die Finger rennt, während IW.
09, 357 gerade auf dem entgegengesetzten Standpunkte steht. Es
ist aber nicht richtig, wenn das RG. in der zweiten Entscheidung
annimmt, daß zwar im Vorraume der Kegelbahn ein Verkehr für
das Publikum eröffnet sei, daß aber die Anlaufstelle nur für Gäste
bestimmt sei; es ist zu eng, die Anlaufstelle als nur für Gäste be-
stimmt zu erachten. Die Anlaufstelle dürfen auch andere Personen
betreten. Ein Beispiel bietet der eben erwähnte Fall. Man kann
nicht sagen, daß der Wirt für solche Personen keinen Verkehr er-
öffnet habe. Hat er das aber, so muß er auch für die Sicherheit
des Verkehrs sorgen. Siehe auch S. 378 l 2 ä (Vertragliche Haftung).
Eine wichtige Rolle spielt auch die hinreichende kenntliche
Unterscheidung der Kellertür von anderen Türen bei
der außervertraglichen Haftung. Soweit ein größerer Personenkreis
in die Lage kommen kann, Türen, die bei der Kellertür liegen und
die leicht mit ihr verwechselt werden können, zu benützen, besteht eine
allgemeine Sorgfaltspflicht und somit Haftung aus unerlaubter
Handlung (IW. 06, 7386).
Eine Haftung aus unerlaubter Handlung bei Abortbenützung
ist das RG-, wie aus den S. 377 unter I 2 b angeführten Ent-
scheidungen zu entnehmen ist, nicht geneigt anzunehmen; es kann
aber, wie ich bereits in der Anmerkung auf S. 383 erwähnte,
der Abort auch einem anderen Personenkreis als den Gästen ge-
öffnet sein, und dann wird auch das Reichsgericht eine Haftung
aus unerlaubter Handlung annehmen müffen (einm Fingerzeig in
dieser Richtung gibt die meines Erachtens sonst zu weitgehende Ent-

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