Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

Die Haftung der Wirte für die Unfälle in ihren Räumen. 379
tung vor; in der Entscheidung im Recht wird Haftung nach K8LS
BGB. als gegeben erachtet. Eine Kritik dieser Rechtsprechung er-
folgt im Zusammenhang unter II.
Erfüllungsgehilfen. Bedient sich der Wirt zur Erfüllung
seiner eben dargelegten Verpflichtungen eines Gehilfen, so hat er
Vorsatz und Fahrlässigkeit des Gehilfen zu vertreten (§ 278 BGB ).
Beispiele : RG. Recht Nr. 897 (Offenlassen eines Schachtes im Haus-
gange durch den Kellnerlehrling, ZW. 09, 72315, DJZ 09, I 503,.
GruchotsBeitr. 49, 617 f. Nr. 28.). Er kann sich nicht damit ent-
schuldigen, daß er bei Auswahl des Gehilfen die erforderliche Sorg-
falt habe wallen lasten (§ 831 BGB.). Das ist besonders bet großen
Gastwirtschaften wichtig. Sie haben zahlreiche Angestellte, Direk-
toren, Oberkellner, Kellner, Kellnerburschen, Pförtner, ein Umstands
der zur Folge hat, daß sich der Gast fast nie an den Wirt halten
könnte; der Wirt hat selbst mit der Schadenszufügung nichts zu
tun, er hat geschulte Leute mit guten Zeugnissen angestellt, und an
diese muß sich der Geschädigte hallen. Ist der Erfüllungsgehilfe^
was nicht selten vorkommt, mittellos, so kommt dem geschädigten
Gaste niemand für den Schaden auf. Es ist deshalb sehr wichtig,
ob eine vertragliche Haftung vorliegt. Liegt diese nicht vor, so
kann der Gast den Wirt selbst nur dann in Anspruch nehmen, wenn
er seine allgemeine Aufsichtspflicht gemäß § 831 BGB. vernachlässigt
hat. Darüber unten unter II.
Mitverschulden. Die weitergehende Haftung für Unfälle
der Gäste bürdet dem Wirte eine große Last auf; es ist deshalb-
nicht mehr als recht und billig, wenn auch an die Sorgfaltspflicht
des Gastes hohe Anforderungen gestellt werden. Wo immer der
Gast den Schaden durch sein Verschulden mitverursacht, wird der
Schaden entsprechend verteilt (§ 254 BGB., vgl. über die Abwägung,
des Mitverschuldens besonders Fromherz 280). Das Reichsgericht
ist in den Anforderungen an den Gast streng; Beispiele bieten fast
alle angezogenen und noch anzuführenden Entscheidungen. Beson-
ders ist hinzuweisen auf IW. 12, 1060 „Selbstverschuldete
Trunkenheit fällt dem Geschädigten schon an sich in der Regel als
Mitverschulden zur Last" ; Recht 09 Nr. 215 (Mitverschulden eines
Hotelgastes, der sich nachts zur Beleuchtung des Hausflurs ledig-
lich eines Streichholzes bedient).
Beweislast. Mit der Frage, welches Verschulden der Wirt
zu vertreten hat, hängt unmittelbar die Frage zusammen, wer das

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