Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

Fröhner, Lehrbuch der gerichtlichen Tierheilkunde. Aßl
stehen. Gerade hier aber kann der Richter eingreifen: Hat er vor der
Vernehmung des Sachverständigen in einem der Lehrbücher über gerichtliche
Tierheilkunde sich über die einschlägigen Fragen unterrichtet, dann kann
er zur Aufklärung des Sachverhalts wesentlich beitragen, und er kann
insbesondere den Sachverständigen darauf Hinweisen, daß sein Gutachten
im Widerspruch steht mit der Lehre wissenschaftlicher Autoritäten. Wenn
aber der Richter auf Grund seiner ihm durch die Literatur gewordenen
Sachkenntnis Zweifel an der Richtigkeit des von dem Sachverständigen
abgegebenen Gutachtens bekommt, dann wird ihn das dazu führen,
ein Obergutachten einzuholen, um auf diese Weise eine wissenschaftlich
einwandfreie Feststellung zu erzielen.
Wenn man von diesem Gesichtspunkt ausgeht, dann muß man
sagen, daß die beiden Werke von Fröhner und Malkmus für die Praxis
der Gerichte und die Anwälte geradezu unentbehrlich sind. Ich will aus
der Fülle des den Juristen interessierenden Materials des Fröhner-
schen Buches nur Einiges herausgreifen: Von manchem Praktiker
wird die Tuberkulinimpfung als Diagnostikum für Tuberkulose
bezeichnet. Nach Fröhner (180) ist sie forensisch nicht zu gebrauchen,
weil das Tuberkulin kein sicheres Erkennungsmittel für die Tuberkulose
bildet. Die Summe von Fehldiagnosen bei der gewöhnlichen subkutanen
Injektion beträgt in Deutschland durchschnittlich 13pCt. und übersteigt
sogar zuweilen diese Zahl noch. Tuberkulose kann in einwandfreier
Weise nur durch Schlachtung festgestellt werden. Das Husten
beim Rind ist nicht einmal immer als Symptom einer bestimmten
Krankheit zu deuten, viel weniger der Tuberkulose. Unter Samen-
strangfistel (169) versteht man einen chronischen, eitrigen Entzündungs-
prozes; am Samenstrang und an der gemeinschaftlichen Scheidenhaut;
es gehört zum Begriff der Samenstrangfistel die Chronizität der
Entzündung. Meist bildet die Kastrationswunde den Ausgangspunkt
der Infektion. Die verzögerte Heilung der Kastrations-
wunde ist nicht gleichbedeutend mit Samenstrangsistel.
Die Heilung verzögert sich oft um Wochen, so daß man selbst nach
8 bis 10 Wochen nach erfolgter Kastration nicht von einer Samen-
strangfistel sprechen kann; ausnahmsweise tritt die definitive Heilung
sogar erst nach 3 Monaten ein. Ich selbst habe in meiner Praxis
einen langwierigen Prozeß geführt, in welchem die einen Sachverständigen
das Vorhandensein einer Samenstrangfistel, die anderen dagegen nur eine
verzögerte Heilung der Kastrationswunde annahmen. Das Obergutachten
der tierärztlichen Hochschule in Berlin nahm nur eine verzögerte Heilung
an und damit war der Prozeß zugunsten meiner Partei entschieden.
Beim Kauf von Schlachtschweinen nach Lebendgewicht (261)
gilt als Voraussetzung, daß die Tiere nüchtern geliefert, also am Tage
vor der Ablieferung und Schlachtung nur bis abends 8 Uhr gefüttert
und getränkt werden.
Der tierärztliche Sachverständige hat zu entscheiden, ob es sich um
nüchterne Schweine handelt oder nicht. Fröhner (262) bringt hier
interessantes Versuchsmaterial.

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