Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

Goldbaum, Theaterrecht.

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Allerdings sind schon bei dem Erscheinen des Opetschen Buches
erhebliche Zweifel darüber laut geworden, ob das „Theaterrecht" wirklich
einen Anspruch auf den Rang eines Spezialrechts erheben kann. Zn
der KrVJSchr. 40, 542 ff. äußerte damals Georg Cohn folgendes
Bedenken: „Dürfte man derartig spezialisieren, so kämen wir schließlich
noch zu Spezialrechten der Badeanstalten, Eisbahnen, Fahrräder, Auto-
maten, und damit zu einer Auflösung und Zertrümmerung des wifsen-
schaftlichen Rechtssystems in Splitter und Atome." Der genannte
Kritiker erkannte aber an, daß die Kreierung eines Gesamtbegriffs
„Theaterrecht" vom praktischen Standpunkt aus für die Bühnen-
angehörigen und alle diejenigen, die mit dem Theater in rechtliche
Berührung kommen, nicht ohne Nutzen sei. Inzwischen sind übrigens
schon Bücher über „Artistenrecht" (Berlin 1905) und „Technikerrecht"
(Düsseldorf 1914) erschienen. Der Zug der Zeit bewegt sich nun
einmal in dieser Richtung. Damit soll nun durchaus nicht gesagt sein,
daß das vorliegende Buch nur den Wert eines Nachschlagebuchs über
theaterrechtliche Verhältnisse habe: es muß vielmehr anerkannt werden,
daß der Gedanke, den Nechtsstoff, der sich innerhalb des dem Theater-
wesen eigenen Rechtsverkehrs entwickelt, wissenschaftlich darzulegen und
aus ihm Normen selbständigen Inhalts zu entwickeln, überall festgehalten
und durchgeführt ist. Das Theaterrecht ist kein kodifiziertes Recht und
wird es auch dann nicht sein, wenn das geplante Reichstheatergesetz,
das nur einen kleinen Teil des umfangreichen Gebiets umfassen soll,
zustande kommen sollte. Das Theaterrecht besteht zunächst aus öffentlich-
rechtlichen Normen (Reichsgewerbeordnung, Zensurvorschriften, bau
polizeiliche Vorschriften usw.). Um eine wissenschaftliche Grundlage zu
gewinnen, stellt der Verf. den Begriff des Theaterunternehmens fest.
Ziel und Zweck eines solchen Unternehmens ist die Vorstellung, deren
Elemente hinwiederum Bühnenwerk, Darsteller und Öffentlichkeit. Zur
Theatervorstellung im weiteren Sinne ist auch die Vorstellung eines
kinematographischen Bühnenwerkes zu rechnen. Zahlreiche wirtschaftliche
Gruppen, die sich zu Verbänden zusammengeschlossen haben, treten in
die Erscheinung; zu ihnen gesellen sich Gewerbetreibende der verschiedensten
Art. Wenn die formellen und materiellen Voraussetzungen für das
Theaterunternehmen erfüllt sind, wird seitens der Behörde die Erlaubnis
erteilt. Die Theaterzensur ist nach Goldbaum ohne gesetzlichen Boden.
Auf eine weitere theoretische Erörterung dieser Frage verzichtet der
Verf., und er beschränkt sich darauf, die allzu weiten Grenzen der
Zensur einzuschränken. Dabei wird man aber den Satz (61): „Es
gibt keinen Rechtssatz, der der Polizei befiehlt, strafbare Handlungen
zu verhindern" ebenfalls einschränken müssen. Die Vorschrift des
§ 10 II. 17 ALR. wird in allen Fällen, wo es fich unzweifelhaft um
strafbare Handlungen handelt, den Sinn haben, daß die Polizei solche
Handlungen allerdings verhindern muß. Ein wichtiger Abschnitt handelt
noch von den Theateragenten. Aus dem Gebiete des TheaterprivatrechtL
behandelt das Buch das Theatervertragsrecht (Aufführungsvertrag, Auf-
sührungskommission, Stellenvermittleroertrag, Theaterbesuchsvertrag und

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