Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 12 = H. 23/24 (1818))

Aus allen diesen Gesetzen geht unbestreitbar hervor,
baß in der Neumark eine Leibeigenschaft, mit allen de-
nen Eigenthümlichkeiten herrscht- wie ste in allen früher
von den Wenden bewohnten Gegenden angetrvffen wird,
daß bei diesen die Erblichkeit der Bauerhöfe nicht ge«
wohnlich war,, und daß sie mit den bekannten und ge-
setzlichen Pflichten der leibeigenen Bauern Wendischer Art
nicht bestehen können. Sollte aber dennoch allen uns
zugckommenen Nachrichten aus der Vorzeit entgegen,
eine Erblichkeit der Dauerhöfe eingeführt seyn, so müßte
dieses sich auf ein
‘ ' - „Landesgesetz" .
oder auf einen ausdrücklichen Vertrag gründen, denn auf
ein« andere Weise kann wohl die Verfassung eines gan-
zen Landes und die Verhältnisse eines ganzen 'Standes
nicht geändert werden. Verjährung kann wohl in ein-
zelnen Fällen statt finden, aber eii'i Stand Im Staat
kann gegen den andern wohl nichts durch Verjährung
an sich reißen. Ein Landesgesetz oder ein Vertrag zwi.
schen Gutsherrn und Bauern ist aber nirgend vorhanden.
Vielleicht aber stüzt matt sich auf Gewohnheitsrechte und
Observanzen; hiezu würde aber gehören, baß die Erb»
lichkeir der Bauern von dem Gegentheil eine Reihe von
Jahren hindurch anerkannt wäre, und hierdurch die Lan-
desverfassung eine andere Richtung erhalten hätte. Die»
ses ist jedoch nichtderFall, vielmehr ist,'so oft die Sache
zur Sprache gekommen, der Anspruch der Bauern von
denen Gutsbesitzern auf das heftigste bestritten worden,
welches bi« geführten Prozesse beweisen- Ueberhaupt har

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer