Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 12 = H. 23/24 (1818))

das, für die Geschwornen gewöhnlich angeführte, Argument,
der Richter sei als Staatsdiener nicht unpartheiisch.
Wo ist der Preußische Gerichtshof, frägt er S. Zr.>
den ein ähnlicher Vorwurf („daß in Frankreich zuweilen
-.durch Geschwornen - Gerichte Menschen für
„schuldig erklärt wurden, deren Unschuld nach
„erfolgter Hinrichtung sich ermittelte") trifft?
„Sind diese Gerichte darum minder ein Schuh des Un»
,-terdrückten gewesen, weil nicht Geschworne ihnen dey
„Weg vorzeichneten? Verachteten die Preußischen Kam«.
„mergerichts-Rache Friede!, Graun und Naumann' in
„der bekannten Müller Arnoldschen Sache, darum minder
„die Gefahr, zur Verrheidigung des Rechts, Friedrich beni
„Großen zu mißfallen, weil sie besoldete Richter waren?
,-Schützte bas Kammcrgericht etwa mit geringerem Eifer-
„dir edle Chezy gegen ungerechten Angriff, 'weil keine
„Geschworne-auf der Claviatur des Gefühls dies: Un«
„schuldig: abgespielt'hakten? (Herr von P. hätte auch
,>des, zum unsterblichen Ruhm dieses ehrwürdigen Ge«
„richkshofes gereichenden, Falles des Predigers Schulz
„in Gielsdorff erwähnen können). Scharfsinige Kenntniß»
„reiche, energische Richter, bemerkt er S. 82., die ihre
„Pflicht höher denn Leben und Lebensfreuden schätzen,
„dies sind die Säulen des Tempels der Gerechtigkeit,
„der wahrlich des Porzeklan-Saulchens der Geschwornen»
„Gerichte nicht bedarf."
„Daß die Untersuchung der Thatverhältnisse und der
„Rechtsverhältnisse den Richter Kollegien allein überlassen
Zbleibe, bemerkt der Verf. S. gi., scheint mir in der
„Natur der Sache zu liegen. Die Richtigkeit dieser Aa-
„sicht hat auch 'der französische Gesetzgeber berührt,
„indeUr er dem Vorsitzer des Aßiscnhofes den Auftrag
-.crrheilte, die Schuld oder Unschuld, so wie die Zurech«
„nungsfähigkeit des Angefchuldigten, durch Vorlegung
-.von Specialfragen, deren Beantwortung dcy Geschwor-
enen obliegt, zu ermitteln. Daß aber auf die Art der
„Faßung dieser Specialfragen sehr viel ankommt, und daß
„also das Schicksal des Angefchuldigten hiedurch zum
,Theil in die Hand eines einzelnen Manneö gelegt ist,
„wird wohl kein Sachkundiger bezweifeln. Würde aber

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