Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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hergehende, zwischen den vorigen und gegenwärtigen Zeiten auff das
Mittel gestellte billige Schätzung, abzulegen, der Oreditor aber solche
anzunehmen schuldig seyn."
Es kann nicht bezweifelt werden, daß mit der Reception des römi-
schen Rechts das ebengedachte beneüciurn auch in das gemeine Recht
übergegangen ist?)
So bestimmt auch das revidirte Land-Recht des Herzogth. Preußen
von 1685 (verbess. L.-R. des K. Preußen von 1721) im Anschlüsse
an die oben angeführte Regel:
„— Jedoch, so der arme unvermögliche Schuldener, dem baar
Geld geliehen, mit Gelde je nicht zu bezahlen hätte, und jhme, dem
Oreditorn, kein Schaden dahero entstehen möchte: Sol von ihm der
Werth in einem andern Dinge in gebührlicher Schätzung ange-
nommen werden."
Diese Ausnahmevorschrift, die dem Schuldner doch immer nur ein
flebile beneficium gewährt, indem sie ihn nöthigt, seine werthvollste
Habe nach der Wahl des Gläubigers demselben zu seiner Befriedigung
zu überlassen, entspricht so wenig den Bedürfnissen unseres heutigen
Rechtsverkehrs, daß sie unmöglich bis auf die Gegenwart sich in
Uebung erhalten konnte. Sitte und Gewohnheit haben das Mach-
werk kaiserlicher Willkür längst über den Haufen gestoßen, so daß die
deutschen Landesrechte des vorigen und des jetzigen Jahrhunderts
jene Satzung als ein im Volke lebendes Recht gar nicht mehr vor-
fanden und daher von ihrer Reception nicht mehr die Rede sein konnte.
Schon Grönewegen in seinem Dractat. de legibus abrogatis
et inusitatis in Hollandia vicinisque regionibus (Lugduni-Bata-
vorum, 1649) bemerkt zu Auth. Hoc nisi C. h. t.:
Si debitor quantitatis non habeat unde solvat, potest rem
immobilem, quam habet, in solutum dare creditori pro aesti-
matione districtus per judicem facienda, nisi creditor emptorem
rei praestare paratus sit. Ratio est, quia hoc casu, scilicet
cum res debitoris pignori capienda emptorem non invenit,
olim creditori addici solebat 1. 15 § 3 D. de re judic. Hoc
*) Leyser, med. ad Pand. spec. 531 m. 1.: Inter beneficia, quibus jnra
nostra debitores obaeratos sublevant, non ultimum est datio in solutum,
gua, qui pecuniam non habet, creditori urgenti bona alia offert. Beneficium
illud non commentum saltem juris romani, sed in ipsa aequitate fundatum
est, et recentioribus quoque et Saxonicis juribus convenit. Yide Secessum
imperii de anno 1654 § 172 et Ordinat, proc. sas. elect. tit. 39 § 18.
Sam. Stryk diss. de beneficio dationis in solutum, in oper. Tom. I nr. 9.
Me vius, Decis. P. IY. dec. 370. De modo et jure dationis in solutum
rei immobilis pro credito pecuniae. Höpfner, Com. über die Jnstit. § 976.
Römer a. a. O. S. 177.
Beiträge. XYIII. (N. F. IU.) Jahrg. 3. Heft.

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