Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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zuständigen Einreden. So wenig nun die Möglichkeit ausgeschlossen
ist, daß der Vormann des Prokuraindossanten, zumal derselbe aus
der Wechselschrift gar nicht einmal ersehen zu werden braucht,^)
mit dem Prokuraindossatar identisch ist — so wenig ist es auch die
fernere Möglichkeit, daß der Schuldner „dem als Prokuraindossatar
auftretenden Wechselinhaber Einreden aus dessen Person entgegen-
halten darf."
§ 14.
Dem mehrfach geltend gemachten Argument, daß die Beredung
der Kontrahenten bei der Wechselbegebung (des Indossanten und In-
dossatars) für den Schuldner res inter alios acta sei, welche ihn „nicht
kümmern," aus welcher er daher keinen Einwand entnehmen könne, tritt
die Ausführung v. Kräwel's (a. a. O. S. 117) entgegen, dahin
gehend: daß die Aktivlegitimation des Klägers für den Schuldner —
vorausgesetzt, daß die Leistung an Ersteren ihn von der Schuld befreit —
zwar an sich, doch aber dann nicht gleichgültig sei, wenn er ein be-
sonderes rechtliches Interesse an Beanstandung der Aktivlegitimation des
Klägers habe. Dieses Interesse für den Schuldner besteht vorliegenden
Falls darin, daß er an den durch die Wcchsclschrift ausgewiesencn
Kläger, bei unbeanstandeter Aktivlegitimation desselben, zu zahlen, bei
materiell rechtlicher Prüfung dieser Aktivlegitimation aber nicht zu
zahlen hätte; ein Interesse, von dem man dem Schuldner doch nicht
füglich zumuthen kann, daß es ihn „nicht kümmern" solle.
In gleicher Weise steht jenem Argumente die Ansicht Bähr's ent-
gegen. Derselbe (a. a. O., 2. Ausg. S. 227), nachdem er dargelegt,
daß durch die Seitens eines Dritten erfolgte Anerkennung, daß eine For-
derung dem, welcher sie einklagt, zuständig sei, die legitimatio ad cau-
sam activa in der Person des Klägers mit der Wirkung hergestellt
werde, daß der Schuldner nicht einwenden könne, die eingeklagte For-

12) im Falle nehmlich, daß die Weiterbegebung Seitens eines Blankoindossatars
aus dem Wechsel nicht vermerkt worden ist. — Die hier nur zu erwähnende
Ansicht, daß die Verneinung der Streitfrage „mindestens" resp. „in erhöhtem
Maße" im Falle des Blankogiros geboten sei (so Koch a. a. O. S. 284, 5,
s. auch Wächter. W.-R. S. 566 und Th öl, W.-R. 8 318 Nr. 5) entbehrt
aller sachlichen Gründe und widerlegt sich durch die völlig gleiche Rechts-
stellung des vollständigen und des Blankoindossatars, W.-O. Art. 12 und
13. — Gegen jene Unterscheidung auch R. O. H. G. Bd. VI S. 52, 53.
13) Siebenhaar Bd. 3 S. 403; Seuffert Bd. 12 Nr. 190; Entsch. des
R. O. H. G. Bd. I S. 171, VI. S. 55, VII. S. 253.

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