Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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§ 7. Erlöschen der Haftpflicht des Gastwirthes aus
dem Receptum. J)
Glück, der diesen Punkt beiläufig berührt, sagt darüber S. 125:
Es entsteht hier noch die Frage, ob die Verbindlichkeit ex re-
cepto auch dann noch fortdauere, wenn der Gast abreiset und dem
Gastwirth bis zu seiner Zurückkunst Sachen in Verwahrung gibt?
Hier suchen zwar die Gastwirthe insgemein zn behaupten, daß sie
als bloße Depositare anzusehen wären, und daher nur für einen
Dolus oder für eine culpa lata haften dürften, deren Beweis auch
dem Kläger zuförderst obliege. Allein der Gastwirth wird durch die
von ihm ausdrücklich übernommene Verwahrung der Sachen des
Fremden von der durch das factum receptionis einmal begründeten
Verbindlichkeit, worin er außerdem in Ansehung der in den Gasthof
gebrachten Sachen sich befunden, keinesweges befreiet, indem vielmehr
in Gemäßheit der 1. 3 D. h. t. die Verbindlichkeit ex recepto zu
der aus einem Contract vorhandenen Verbindlichkeit hinzutritt und
mit derselben besteht.
Diese Auffassung wird auch von vielen Schriftstellern getheilt:
Buddeus in Weiske's Rechtslexicon IV. S. 448: Ist der
Fremde rücksichtlich seiner Sachen in mora accipiendi oder läßt
er sie bei seiner Abreise, ohne sie dem Wirthe ausdrücklich zur Auf-
bewahrung zu geben, liegen, so hebt sich die Verbindlichkeit des
Wirthes auf. Bewirkt er aber diese Uebergabe, so bleibt der Gast-
wirth als solcher, nicht bloß als depositarius verbunden.
Pagen st echer, Pandekten-Praktikum S. 468: Die Garantie-
pflicht de recepto dauert fort, obwohl der Gast persönlich nicht
mehr logirt, insofern die Effekten noch unausgelöst im receptum,
welches durch das Logiren begründet war, verharren.
v. Wening-Ingen heim, Lehrbuch des gemeinen Civilrechts II.
§ 342: Mit dem Wiederhinausbringen der Sachen endigt die Ver-
bindlichkeit (ex recepto). Doch dauert sie fort, und es tritt ohne
ausdrückliche Erklärung darüber kein Depositum ein, wenn der Gast
mit Wisien und Zustimmung des Verpflichteten die Sache zurückläßt.2)
Dieser Ansicht hat sich auch das bürg. Gesetzbuch für das K.
Sachsen angeschlossen.
tz 1286. „In Beziehung auf Sachen, welche der Fremde bei
seiner Abreise mit Einwilligung des Wirthes zurückläßt, dauert die
Haftpflicht fort." 1 2 3)

1) Vgl. insbesondere die gegen Gimmerthal a. a. O. S. 116 f. gerichteten
Ausführungen von Weis a. a. O. S. 342 f.
2) Auch Thibaut, System des Pandekten-Rechts II. § 912 glaubt, daß der
Wirth „im Zweifel" wegen der von einem Abreisenden zurückgelassenen
Sachen verantwortlich bleibe.
3) Siebenhaar, Com. II. S. 281 bemerkt dazu: Der Fremde wird also

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