Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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magis, quam quorum sunt, debent solvi; et ideo si pignori
merces accepero (ob pecuniam nauticam) mihi magis, quam
debitori nauta tenebitur, si ante eas suscepit.
Erkenntlich des Ober-Tribunals zu Berlin vom 24. Juni 1856:
Der Anspruch gegen den Gastwirth wegen weggekommener, in den
Gasthof eingebrachter Sachen oder Gelder steht dem Reisenden zu,
auch wenn er nicht der Eigenthümer dieser Gelder oder Sachen ge-
wesen ist. (Striethorst, Archiv Bd. 21 S. 309 zu a.)
Motive zu § 1282 des bürg. Gesetzbuchs für das K. Sachsen:
Es ist gleich, ob die inferirten Gegenstände dem Fremden eigen-
thümlich gehören oder nicht.
§ 3. Umfang der durch das Receptum begründeten Haft-
pflicht des Gastwirthes.
Aus den bereits oben in der Einleitung entwickelten Gründen ist
diese Haftpflicht, im Vergleiche mit der aus dem gewöhnlichen Ver-
wahrungsvertrage entstehenden, eine sehr gesteigerte.
Hip. 1. 3 § 1 D. naut. caup. (4, 9): — At hoc Edicto
omnimodo qui recepit tenetur, etiamsi sine culpa ejus res
periit vel damnum datum est, nisi si quid damno fatali
contingit . . .
Gajus 1. 5 § 1 eod.: Quaecunque de furto diximus,
eadem et de damno debent intelligi: non enim dubitari
oportet, quin is, qui salvum fore recipit, non solum a furto,
sed etiam a damno recedere videatur.
„Von der Vertretung eines an den aufgenommenen Sachen ent-
standenen Schadens ist der Gastwirth nur dann frei, wenn ausgemittelt
werden kann, daß dieser Schade durch eigenes grobes oder mäßiges
Verschulden des Reisenden, oder durch äußere Gewalt und Zufälle, die
der Wirth, bei der sorgfältigsten Aufmerksamkeit, weder hat vorhersehen
noch verhüten können, entstanden ist." (Preuß. A. L. R. II. 8 § 447.)
„Man kann die Haftpflicht des Gastwirthes für die von dem
Fremden eingebrachten Sachen nicht unter den Gesichtspunkt einer Haf-
tung für geringe (oder geringste) Fahrlässigkeit*) bringen, vielmehr
handelt es sich um eine Haftung für die objektive Sicherheit der
Sachen gegen Entwendung und Beschädigung, ohne Rücksicht auf die
Personen, welche sich der Entwendung oder Beschädigung 'schuldig ge-
macht haben; es macht keinen Unterschied, ob der Gastwirth selbst, oder
*) Der älteren Theorie erschien die gesetzliche Haftung auch für den Zufall so
exorbitant, daß sie den unbequemen Satz durch Reducirung des periculum
casu» auf culpa levissima zu umgehen suchte. Vgl. Goldschmidt a. a. O.
S. 81 Note 45 und die dort Angeführten.

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