Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 40 = 5.F. Jg. 5 (1896))

762 Zur Kritik des Entwurfs eines Handelsgesetzbuchs.
Aktienkapital der übrigen Kommanditisten. Wenn diese Garantie
wegfällt, so läßt sich ein Bedürfniß zur Eingehung einer A.K.G. nur
denken, einmal wenn derjenige, der sein Unternehmen in die Gesell-
schaft einbringt, sich die Befugniß zur Geschäftsführung und Ver-
tretung gegen einseitige Entziehung seitens der Aktionäre sichern will;
sodann, wenn die Aktionäre gerade auf die Persönlichkeit des bis-
herigen Leiters des Unternehmens so großes Gewicht legen, daß bei
dessen Ausscheiden die Auflösung der Gesellschaft eintreten soll.
Allein auch bei der A.G. kann durch Vertrag ein dauerndes
Recht zur Geschäftsführung begründet werden, und wenn es auch bei
der Bestimmung des § 212 über die Widerruflichkeit der Bestellung
zum Vorstandsmitgliede, entgegen meinen Vorschlägen, verbleiben
sollte, so bildet doch der dann eintretende Anspruch auf Schadenersatz
eine wirksame Schranke gegen willkürlichen Widerruf.
Wenn ferner die Aktionäre bei einer A.G. besonderes Gewicht
aus die Leitung durch eine bestimmte Person legen, so steht nichts
im Wege, im Gesellschaftvertrage vorzusehen, daß die A.G. nur so-
lange bestehen solle, als jene Leitung dauert, und jedenfalls können,
auch wenn dies im Vertrage nicht im Voraus bestimmt war, die
Aktionäre nachträglich die Auflösung der Gesellschaft beschließen, falls
sie beim Eintritt des Ausscheidens des bisherigen Leiters noch der
Meinung sind, daß eine gedeihliche Fortsetzung des Unternehmens
nicht weiter zu erwarten sei.
Ein wirthschaftliches Bedürfniß für eine so gestaltete Komman-
ditgesellschaft auf Aktien dürfte daher kaum anzuerkennen sein.
Der Denkschrift ist aber darin beizutreten, daß es bedenklich
wäre, dem Verkehre eine Gesellschaftform zu entziehen, die bereits seit
Jahrzehnten besteht, und wenn auch bisher davon in keinem großen
Umfange Gebrauch gemacht worden ist, so sind doch einige der größten
Unternehmungen, z. B. die Direktion der Diskontogesellschaft, die
Berliner Handelsgesellschaft, früher auch Ludwig Löwe u. Co., gerade
in dieser Form errichtet worden. In der That läßt sich nicht ver-
kennen, daß der Verbindung der persönlichen Haftung eines Gesell-
schafters, z. B. des bisherigen Inhabers des Unternehmens mit der
beschränkten Haftung der Aktionäre im Verkehre ein erheblicher Werth
beigelegt werden kann. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß ein dau-
erndes Verhältniß zwischen dem Komplementär und der Gesellschaft
gesichert ist, und dazu reicht eine bloße rechtliche Bindung durch den
Gesellschaftsvertrag nicht aus, vielmehr muß auch wirtschaftlich das

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer