Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 40 = 5.F. Jg. 5 (1896))

Das fiduziarische Rechtsgeschäft.

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müsse, welche seinem Vorgänger als Kläger entgegenftehen würden.
Wenn er vindizirt, verfolgt er in Wahrheit in eigenem Namen auch
eigenes Recht.
Anders liegt die Sache bei solchen Eigenthumsübertragungen,
neben denen ein Mandat, eine societas, ein depositum u. dergl., d.
h. ein Vertrag vereinbart ist, dessen wahrer Sinn und Bedeutung
nur die sind, daß der Erwerber fremdes Recht in eigenem Namen
nusübe. Bei solchen Verträgen kommt auch ein eoustitutum poses-
sorium in der Regel nicht vor. Wählen wir als gewöhnliches Bei-
spiel folgendes: A. möchte seine Gemälde oder Kostbarkeiten ver-
kaufen, aber nicht selbst solche in seinem Namen auf den Markt
bringen; er verkauft deshalb zunächst an B. und vereinbart mit
demselben, daß der Erlös (nach Abzug einer Provision) ihm ausge-
stlgt werde. Oder A. und B. kommen überein, daß B. in seinem
Namen, als Eigenthümer, den Verkauf auf gemeinsame Kosten aus-
führen, der Gewinn und Verlust zu bestimmten Theilen getragen
werden. Oder A. beauftragt den V., daß dieser auf seinen Namen,
aber für Rechnung des A., eine Sache kaufe, oder es wird verein-
bart, daß B. in eigenem Namen, aber für gemeinsame Rechnung er-
werbe. Der Käufer B. ist Eigenthümer geworden, allein auf Grund
des Auftrags- oder Gesellschaftsvertrags handelt er doch im Interesse
des A. oder in seinem und des A. gemeinsamen Interesse. Es sind
dies konkrete Verträge, es liegt kein paetum fiduciae vor, in das
nach altem römischen Rechte Mandat, Depositum oder Kommodat
eingekleidet waren. Die Thalsache, daß A. in Wahrheit nur for-
>nales Recht ausübt, muß er auch bei der Rechtsverfolgung gegen
sich gelten lassen, sie kann nicht auf das Verhältniß der Kontrahenten
unter sich beschränkt bleiben. Befände sich das verkaufte Gemälde
in der Jnnehabung eines Dritten, dem gegen die Vindikation des
Verkäufers (Mandanten) eine exc. rei venditae et traditae oder ein
Znnebehaltungsrecht zustände, so erfordert die Redlichkeit, daß der
Käufer (Beauftragte, Sozius) das Recht des Beklagten nicht durch
die Berufung auf sein formales Eigenthum beseitige. Soweit die
Einrede nicht schon wegen der Rechtsregel durchdringt: „nemo plus
Juri« in alterum transferre potest quam ipse habet“, muß sie zu-
gelaffen werden, weil in Wirklichkeit doch nur ein nach Maßgabe der
Einrede beschränktes Eigenthum des Mandanten oder Sozius ver-
folgt wird.
Hat der Mandatar verkauft, so steht die Klage auf Bezahlung

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