Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 40 = 5.F. Jg. 5 (1896))

"220

Die Provisionsansprüche der Grundstücksvermittler.

bleibt. Nicht aber in dem Sinne, daß der Vermittler nicht auch
uom Käufer etwas bekommen dürfe.
Nicht im Interesse des Verkäufers, sondern im Zn-
teresse desKä ufers ist der Vermittler geschäftsüblich auf diejenige
Provision beschränkt, die der Verkäufer zahlt.
Welche praktischen Motive dafür maßgebend waren, daß das,
was geschäftsüblich ist, geschäftsüblich geworden ist, ist „begraben in
ewige Nacht." Es kann gewesen sein, daß der Verkäufer es in der
Regel ist, der nach einem Käufer sucht und die Beihülfe eines Ver-
mittlers nur dadurch gewinnen konnte, daß er ihm eine Provision
versprach, während der Käufer, der gesucht wurde, dazu keinen Anlaß
hatte. Aber es mag ebensowohl dabei auch maßgebend, wenigstens
mitwirkend gewesen sein, daß der Verkäufer derjenige ist, welcher einen
schwer beweglichen Besitz jetzt zu Geld macht und aus dem Kauf-
preis bez. aus der Anzahlung ohne Weiteres die Vermittlerprovision
zahlen kann, während den Käufer, der so wie so schon baare Kaffe
in einen schwer beweglichen Besitz konvertirt, von dieser weiteren In-
anspruchnahme seiner Kasse frei zu laffen für angemessen erachtet wurde.
Aber welche geschäftlichen Motive es auch zu Wege gebracht
haben mögen, daß geschäftsüblich die Vermittlergebühr vom Grund-
besitzer, der verkauft, allein zu tragen ist, und daß der Käufer davon
frei bleibt, es ist dies geschäftsüblich geworden jedenfalls nur in
dem Sinne, daß der Käufer von der Vermittlergebühr frei
bleiben soll, nicht in dem Sinne, daß der Vermittler vom
Käufer nichts bekommen dürfe.
Jetzt, wo was geschäftsgebräuchlich geworden ist, einmal ge-
schäftsgebräuchlich ist, hat die Thatsache, daß im einzelnen Fall der
Verkäufer es war, der die Dienste des Vermittlers zuerst in Anspruch
genommen hat, mit der Provisionsfrage jedenfalls nicht das Geringste
zu thun. Auch dann, wenn dies nicht der Fall war, wenn umgekehrt
der Käufer es war, der die Dienste des Vermittlers zuerst in An-
spruch genommen hat, um durch seine Vermittlung ein Grundstück
zu erwerben, gilt für die Provisionsfrage an und für sich ganz das
Gleiche. Auch in diesem Fall bleibt es bei dem, was geschäftsüblich
ist. Und es ist auch in solchem Fall eine Ausnahme, wenn der
Kaufliebhaber sich zur Zahlung einer Vermittlerprovision zu ver-
pflichten bereit finden läßt.
Geschieht dies im einzelnen Fall — einerlei wer zuerst den Ver-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer