Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

Der Civilmäkler.

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keit und ihr wirthschaftlicher Werth leide darunter; oder er
mache sie, und dann müssen alle seine Auftraggeber die Risiko-
prämie in der Gebühr zahlen; dieselbe werde einfach höher werden.
Auch habe die durch ein solches Erstattungsrecht herbeigeführte sorg-
samere Buchführung des Mäklers nebenbei noch den Vortheil, eine
solidere Geschäftsgebahrung desselben mittelbar zu bewirken. Diese
Gründe erscheinen nicht stichhaltig. Scheut der Mäkler die notwen-
digen oder nützlichen Auslagen, dann verhindert er dadurch zumeist
das Zustandekommen des zu vermittelnden Geschäfts und bringt sich
selbst somit um die Gebühr. Unter diesem moralischen Drucke
wird er schon den nöthigen Spesenaufwand tragen und seine wirth-
schaftliche Funktion ungeschmälert erfüllen. Freilich wird er
dann die Auslagen auf die Mäklergebühr schlagen und wird sogar
versuchen, die Auslagen von erfolglos gebliebenen Bemühungen bei
guter Gelegenheit dem Kommittenten aufzuwälzen, für den er mit
Erfolg thätig geworden ist. Hierin liegt doch aber nichts Außerge-
wöhnliches. Einerseits haben die Parteien es in der Hand, durch
besondere Vereinbarungen über die Höhe der Provision sich gegen
solche Abwälzungsgelüste des Mäklers ebenso zu schützen, wie gegen
die Gefahr, daß sie in der Provision für erfolgreiche Thätigkeit dem
Mäkler die Mühe unb den Zeitverlust bezahlen helfen, welche er im
Interesse anderer Auftraggeber ohne Erfolg aufgewendet hat; andeter-
seits müssen wohl bei allen Geschäftszweigen die Geschäftsspesen
auf den Preis der Vertragsgegenstände geschlagen und von der Ge-
samtheit der Konsumenten der Maare oder Arbeit indirekt ge-
tragen werden. Zudem tritt der erziehliche Werth eines Rechts
auf Auslagenersatz, zumal er dem Rahmen der Priva trechtsgesetz-
gebung überhaupt entfällt, jedenfalls hinter dem Gebote juristischer
"ogik in den Hintergrund. Es erscheint daher die in der dog-
matischen Ausführung zu begründen unternommene Auffassung ge-
rechtfertigt, daß, ohne Rücksicht auf das Zustandekommen oder
Nicht-Zustandekommen des zu vermittelnden Geschäfts, die gewöhn-
lichen Auslagen vom Mäkler, welcher als Unternehmer des Zu-
standebringens des Vertrags anzusehen ist und als solcher das Risiko
des Erfolgs tragen muß, aufzuwenden, die außergewöhnlichen
aber von demjenigen Kontrahenten, welcher sie veranlaßt hat, zu
erstatten sind.
Diesen Ausführungen hat sich auch die II. Kommission nicht
verschlossen. Sie hat, unter Betonung ihrer Meinungsein heit

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