Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

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Der Civilmäkler.

gung des amtlichen Mäklerthums. Es ist hier nicht der Ort,
sämmtliche für und wider die gänzliche Aufhebung sprechenden
Gründe abzuwägen. Es genüge der Hinweis darauf, daß das
Institut der Handelsmäkler in seiner jetzigen Gestalt in der Thal
an zwei sehr erheblichen Mängeln krankt.
Einmal fehlt es 9) nach Beseitigung des ausschließlichen Rechts
zur Vermittlung an dem erforderlichen Gleichgewicht zwischen
Rechten und Pflichten. Vollends nach der Schmälerung der Glaub-
würdigkeit und Beweiskraft ihrer Tagebücher und Schlußnoten sin-
ihre Vorrechte auf ein äußerst geringes Maß beschränkt. Daher
stehen jetzt die Handels Mäkler, dies ist nochmals zu betonen, an
Rechten unter, an Pflichten über den Privathandels-
Mäklern. Sodann aber befinden sich gerade die wesentlichsten,
den Handelsmäklern durch das Gesetz auferlegten Pflichten mit
der 1hatsächlichen Entwicklung des Geschäftsverkehrs in unver-
hülltem Widerspruche. Hierher gehören insbesondere die Vor
schriften (Art. 69 Ziff. 1), daß sie für eigene Rechnung keine Handels-
geschäfte machen, sich auch für die Erfüllung der von ihnen ver-
mittelten Geschäfte nicht verbindlich machen oder Bürgschaft leisten
dürfen. In Wirklichkeit sind Kommission und Mäkelei, wenn
sie auch rechtlich durchaus verschiedene Institute bilden, doch
wirthschaftlich innig mit einander verwachsen und laufen faktisch
bei der Ausführung der zur Vermittlung übertragenen Geschäfte in
einem Punkte zusammen.
Die Folge dieser Mängel des heutigen Instituts der Sensale
ist nur eine doppelte Möglichkeit. Entweder der Handelsmäkler
ist gewissenhaft und beobachtet streng die gesetzlichen Vorschriften
und Verbote: dann muß er vor der Konkurrenz seiner nicht-
patentirten Kollegen das Feld räumen, oder — er hat ein weites
Gewissen und setzt sich über die Rechtsschranken hinweg. Der
Mäkler ist Beamter, welcher zugleich eine gewerbsmäßige Thätigkeit
entfaltet. Ein Beamter mit Gewerbskarakter oder ein Ge-
werbetreibender mit Amtskarakter, das ist eine Zwitter-
natur, für welche im modernen Rechtsleben kein Raum mehr vor-
handen ist. Die wirthschaftliche Mission des Mäklerinstituts,
eine Zentralstelle für Angebot und Nachfrage zu bilden,

*) Nach Behrend a. a. O. S. 400.

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