Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

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Der Civilmäkler.

Das zustande gekommene Geschäft muß ferner das dem Mäkler
zur Vermittlung übertragen gewesene sein. Allerdings wird
hierdurch nicht ausgeschloffen, daß das Zustandebringen eines gleich-
werthigen oder für gleichwerthig zu erachtenden Geschäfts zur Be-
gründung der Provisionsforderung für genügend zu erachten ist.
Dieselbe hängt nicht davon ab, daß das Geschäft nach den ursprüng-
lich geplanten Modalitäten und unter Mitwirkung der zunächst ins
Auge gefaßten Personen zustande kam, sondern lediglich davon, daß
das beabsichtigte Unternehmen als solches, in seiner Wesenheit
gelungen war und der Zweck der Unternehmung erreicht wurde.")
Denn gerade die Versöhnung der widerstreitenden Interessen der
Kontrahenten und die Ausgleichung etwa bestehender Gegensätze
zwischen ihnen inbezug auf das zu vermittelnde Geschäft bilden den
Zweck und den Hauptinhalt der Vermittlungsthätigkeit des Mäklers.
Ob das zustandegekommene Geschäft in seiner Wesenheit mit dem
aufgetragenen sich deckt, ist Sache der jedesmaligen thatsächlichen
Feststellung. Mit Recht wurde die Gleichwerthigkeit verneint, als
der mit dem Verkaufe eines Guts beauftragte Mäkler nur einen
Gutstausch vermittelt hatte;^o) oder als die Vermittlung der Um-
wandlung einer Gesellschaft in ein Aktienunternehmen einem Mäkler
ausgetragen worden war, derselbe aber nur die Fusion dieser Gesell-
schaft mit einem anderen gleichartigen Geschäfte zustande brachte;^')
oder als die Nachweisung eines schuldenfreien Grundstücks übertragen
war, vom Mäkler aber ein mit Hypotheken belastetes Grundstück,
deren Löschung allerdings auf den Wunsch des Käufers sofort mög-
lich gewesen wäre, zum Verkauf nachgewiesen wurde; ^2) oder endlich
als der Stellenvermittler seinen Kommittenten in einem Detailge-
schäfte plazirte, während er ihm die Vermittlung einer Stellung bei
einem Engros-Händler zugesagt hatte. 103)
Dagegen ist nicht das zu vermittelnde Geschäft zustande-
gekommen, wenn es bedingungsweise abgeschloffen worden ist.
°°) 9t.©., Urth. v. 1888 (Bolze, Prax. Bd. 6 Nr. 499 S. 185); Urth. v.
1889 (Bolze, Prax. Bd. 8 Nr. 431 S. 197); Urth. v. 25. Januar u. 27. Februar
1890 (Bolze, Prax. Bd. 9 Nr. 324 u. 326 S. 141 u. 143); Puchelt, Komm.
4. Aufl., des. v. Förtsch, 1892 Lief. 2/3 Note 2 zu § 82 S. 171.
10°) O.L.G. Kiel, Urth. v. 7. März 1887 (Schleswig-Holsteinischer Anzeiger
Kr 1888 S. 1 u. in Seuffert's Arch. Bd. 43 für 1888 Nr. 108 S. 162, 163).
m) 9t.©., Urth. v. 4. Januar 1889 (Bolze, Prax. Bd. 7 Nr. 501 S. 186).
loa) 9t.©., Urth. v. 20. Juni 1889 (Bolze, Prax. Bd. 10 Nr. 414 S. 218).
i°3) Oberster Gerichtshof zu Wien bei Busch, Arch. Bd. 12 S. 157.

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