Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

Der Civilmäkler.

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haß der Mäkler nicht für Handlungen verantwortlich gemacht werden
könne, welche von dem Auftraggeber selbst ausgehen müssen, zumal
da deren Vornahme in derWüllkür des letzteren beruhe; im letzteren
Falle dagegen trete der Grundsatz in Kraft, daß eine Bedingung als
erfüllt anzusehen sei, wenn der Eintritt derselben durch die bösliche
Handlungsweise des bedingt Verpflichteten verhindert werde.
Eine derartige Beweisführung erscheint nicht stichhaltig; ins-
besondere kann das Abhängen des Anspruchs auf Mäklergebühr von
dem Zustandekommen des zu vermittelnden Geschäfts wohl als still-
schweigende Voraussetzung betrachtet, nicht aber als eine eigentliche
und wahre Bedingung behandelt und aus ihr Konsequenzen ge-
zogen werden. Indessen bedarf diese ganze Frage in der Fassung,
wie sie allgemein gestellt wird, gar keiner Beantwortung. Sie
erledigt sich aus einem anderen Grunde. Darum hat auch das
H.G.B. sie nicht speziell entschieden und laut Ausweis der Bera-
tbungsprotokolle (S. 974) auch nicht entscheiden wollen. Auch das
Reichsoberhandelsgericht97) hat sie wohlweislich nicht beantwortet,
obwohl die Note der Redaktion zu dieser Entscheidung genug Mate-
rial zu ihrer Verneinung darbietet. Nach der vorstehenden Ausführung
über einen nothwendigen Kausalnexus zwischen Mäklerthätigkeit und
Geschäftsabschluß hat der Mäkler, sobald seine Thätigkeit in irgend
einem nicht unwesentlichen ursächlichen Zusammenhänge mit
dein vom Kommittenten selbst herbeigesührten Abschlüsse steht, in
dem Augenblicke dieses Abschlusses seinen Lohnanspruch erworben,
gleichviel ob er unmittelbar beim Abschlüsse mitwirkte oder ob der
Kommittent zur Fortsetzung der Vermittlungsarbeit selbstthätig
eingriff und dadurch bona oder mala fide die unmittelbare Beziehung
zwischen Mäklerarbeit und Geschäftsabschluß unterbrochen hat. 98)
Gegenüber der klage- oder einredeweise seitens des Mäklers geltend
gemachten Behauptung, der Kommittent habe ihn beim Geschäfts-
abschlüsse doloserweise übergangen, bedarf es also, unter Berücksichti-
gung der Gesammtheit der Umstände, nur einer dahin gehenden
Prüfung, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Mäkler-
thätigkeit und Geschäftsabschluß im genannten Umfange nachweis-
bar ist.
d') R.O.H.G., Urth. v. 14. Oktober 1873 (Entsch. Bd. 11 Nr. 66 S. 199);
vergi. R.G., Civ.Urth. v. 22. Februar 1882 (Entsch. Bd. 6 Nr. 52 S. 189).
98) Rocholl a. a. O. Rechtsf. Bd. 2 S. 87; Makower, Komm. Note 31 Utt. d
zu Art. 82 S. 130.

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