Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

540

Der Civilmäkler.

haben. Welcher Art diese Handlungen sein müssen, dafür können
allgemein gültige Regeln nicht aufgestellt werden. Dieselben
sind im einzelnen Falle verschieden, sie bedürfen der that-
sächlichen Feststellung und unterliegen in der Beurtheilung ihres
Werths dem freien Ermessen des Richters.
Im Anschlüsse hieran erledigt sich am besten die in Theorie
und Praxis viel umstrittene Frage, ob dem Mäkler nicht jedenfalls
dann die Mäklergebühr zukomme, wenn er zwar bei dem Abschlüsse
des Geschäfts selbst nicht mitgewirkt hat, aber der Abschluß des von
ihm ausreichend vorbereiteten Vertrags von dem Auftraggeber selbst
mit arglistiger Umgehung des Mäklers bewirkt worden sei. Tie
Vertreter dieser Ansicht^) führen zu Gunsten des Mäklers in dieser
Beziehung an, der Auftraggeber dürfe sich seiner Verpflichtung gegen
den Mäkler aus der ausreichenden Vorbereitung des Geschäfts durch
denselben nicht dadurch entziehen, daß er das Geschäft mit dun
anderen Kontrahenten ohne weitere Zuziehung des Mäklers vollziehe.
Zu diesem Schluffe gelange man ebenso, wenn man sich die Ver-
mittlung und Zustandebringung des Geschäfts als eine Vertrags
mäßige Leistung des Mäklers denke, als wenn man den Abschluß
und die Ausführung des Geschäfts als stillschweigende Bedingung
auffaffe, von deren Eintritt der Anspruch auf Vergütung der ge-
leisteten Dienste abhänge. Denn im ersten Falle sei es einleuchtend,

*0 Straccha a. a. O. P. V § 10 S. 123; Behrend Bd. 1 § 58 S. 416 bei
Note 23; Brinkmann, Handelsr. 1853 S. 477; Cosack, Lehrb. 1888 S. 180
unter 5 litt. a a. E.; Dernburg, Preuß. Priv.R. Bd. 2 § 190 S. 557; Ende-
mann, Handelsr. § 165 S. 796; Förster-Eccius, Theor. u. Prax. 6. Aufl. 1892
Bd. 2 § 138 S. 276 bei Note 681; Gareis, Lehrb. 3. Aufl. 1888 § 22 S. 123 ;
Goldschmidt, Krit. d. preuß. Entw. e. Handelsges. B. (Heidelberger krit. Zeitschr.
f. d. ges. Rechtswissensch. Bd. 4 S. 156 unter 1); Grünhut in Endemanns Hdb.
Bd. 3 § 309 S. 142 u. § 311 S. 156; Keil in Holtzendorffs Rechtsencykl. Th. H
Bd. 1 Art. „Courtage“, S. 481; Kuhn a. a. O. S. 238 a. E. u. das. Zit; Rocholl
a. a. O. bei Gruchot Bd. 20 S. 406; Neubauer a. a. O. S. 23; O.A.G. Dres-
den Urth. vom 26. Februar 1858 (sächs. Zeitschr. s. Rechtspfl. Bd. 17 Präj.
Nr. 228 S. 500); Stadtamt Frankfurt a. M. Urth. vom 10. Oktober 1869
(Goldschmidts Zeitschr. Bd. 14 Nr. 59 S. 555 a. E.); R.G. Civ.Urth. von 1887
(Bolze, Prax. Bd. 4 Nr. 648 S. 199); R.G. Civ.Urth. vom 21. April 1888
(Bolze, Prax. Bd. 6 Nr. 491 S. 185); R.G. Civ.Urth. vom 1. Mai 1889 (Bolze,
Prax. Bd. 7 Nr. 508 S. 189); entgegengesetzter Ansicht: Anschütz Note 2 zu
Art. 82 S. 502; Makower, Note 31 litt, b zu Art. 82 S. 130; Puchelt a. a. O-
bei Busch Bd. 13 S. 423 u. Kom. Note 2 weä. zu Art. 82 Bd. 1 S. 143;
Rocholl, Rechtsf. Bd. 2 S. 87.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer