Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

Die Regelung des Verlagsrechtes.

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zwar der Art, daß er alsbald über sein Werk vollkommen frei ver-
fügen kann, ohne den Verleger entschädigen zu müssen. Alsbald
nach der Herstellung des Werkes hat der Verleger dem Verfasser
ein Exemplar desselben in den sogenannten Aushängebogen, d. h.
den einzelnen Druckbogen zu übersenden; diese dürfen weder von
dem Verfasser noch von dem Verleger ohne Zustimmung des
anderen Theiles an Dritte verabfolgt werden; nach Herstellung
des Werkes hat der Verleger das bei der Herstellung benutzte
Manuskript dem Verfasser auf dessen Verlangen zurückzugeben,
zur Aufbewahrung desselben ist er nur für die Dauer eines Jahres
verpflichtet; diese Bestimmung, welche eine Neuerung für den Verlags-
verkehr kaum bedeutet, erleidet jedoch auf Zeitschriften keine Anwendung.
Der Verleger ist verpflichtet, eine Korrektur auf seine Kosten lesen zu
lassen, und auf Verlangen des Verfassers demselben die Lesung der
letzten Korrektur zu überlassen; von dieser Verpflichtung des Verlegers
zur Lesung einer Korrektur weiß der Entwurf des B.V. nichts, der-
selbe belastet vielmehr den Verfasser mit der Lesung aller Korrekturen,
indessen ergiebt sich schon aus dem Begriffe der Herstellung des
Werkes, welche doch dem Verleger inhaltlich des Vertrages obliegt,
daß derselbe an der Lesung der Korrektur sich betheiligen muß; thal-
sächlich ist es auch eine verbreitete Uebung, daß der Verleger die
erste Korrektur auf seine Kosten lesen läßt. Auf das vereinbart^
Honorar hat der Verfasser, sofern eine Pauschsumme bestimmt ist,
Anspruch nach der Uebergabe des Manuskriptes, sofern dasselbe aber
nach Bogen, Spalten u. s. w. berechnet werden soll, nach Herstellung
des Druckes; im letzteren Falle muß auch der Raum, welcher von Ab-
bildungen im Texte eingenommen wird, bei der Honorarverrechnung
mit berücksichtigt werden. Ist ein Honorar nicht vereinbart, so wird
dasselbe nach dem Entwürfe des Sch.V. durch den zuständigen Richter
aus Grund eines Gutachtens des litterarischen Sachverständigen-
vereins festgesetzt; bei in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätzen ist der
bei demselben übliche mittlere Honorarsatz für Artikel ähnlicher Gattung
zu zahlen; ein Verzicht auf jede Honorirung wird nur dann als wirksam
anerkannt, wenn derselbe ausdrücklich und schriftlich vereinbart ist. In
diesem Punkte weicht der Entwurf des B.V. von dem des Sch.V. in
bedeutsamer Weise ab, er will einmal den von Abbildungen im Texte
eingenommenen Raum nur dann honorirt wissen, wenn die Vorlagen
von dem Verfasser geliefert worden sind, sodann aber die Honorirung
ausschließen, wenn sie nicht vereinbart ist. Zur Rechtfertigung dieser

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