Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

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Literatur.

Vorgänger, die er in der Vorrede namhaft macht. Er hat dieses Feld
in seiner ganzen Ausdehnung in Anbau genommen, sowohl „durch Ein-
beziehung sämmtlicher europäischer Urheberrechte (mit Ausnahme allein
der balkan- und der finnländischen)" wie „durch genaueres Eingehen auf
die geschichtliche Entwicklung" und seine Beurtheilung zu einer selb-
ständigen Darstellung der allgemeinen Urheberrechtslehren vertieft. Dabei
blieb er sorgfältig bemüht, die Uebersicht nicht durch Anhäufung von
Einzelnheiten zu stören. Er hat darum „das österreichische und das
deutsche Recht nicht nur, wie billig, in den Vordergrund gestellt, sondern
auch weiter gemeinsam behandelt, sowohl wegen der Einheit des Gegen-
standes, d. i. der deutschen Tonkunst, als auch wegen der Überein-
stimmung der künstlerischen und rechtlichen Grundanschauung, wodurch
beide Rechte dem Auslande noch immer als Ausdruck einer und der-
selben nationalen Austastung gegenüberstehen." Zm Uebrigen hat er es
„nicht auf eine Behandlung jedes einzelnen europäischen Urheberrechts
ex proke88o, sondern nur auf die Beleuchtung der verschiedenen zumal
der national eigenartigen Urheberrechtsideen, den Nachweis ihrer Ver-
wirklichung in den Rechten verschiedener Staaten, und außerdem auf
eine möglichst systematische Vergleichung dieser Rechte abgesehen, jedoch
so, daß nicht nur der allgemeine Karakter jedes positiven Urheberrechts,
sondern auch seine einzelnen Normen und ihre juristische Bedeutung
dargestellt werden." — Bei einem Werke von so gedrängter Fülle des
Inhalts ist es nicht möglich, an dieser Stelle mehr als eine dürftige
Uebersicht des Gebotenen zu geben. Der erste Abschnitt „die Stellung
der Tonkunst im Urheberrecht" (S. 1—6) hebt zunächst den Gegensatz
der Tonkunst zu den bildenden Künsten und ihre engere Verwandtschaft
mit der Literatur, dann aber auch ihre Verschiedenheit von dieser hervor,
in welcher sie jenen wieder einen Schritt näher rückt. „Das Wesen
und die Identität des literarischen Werkes ist (allerdings mit weit-
gehenden Ausnahmen) von der Identität der sinnlich wahrnehmbaren
Erscheinung völlig unabhängig. Das Wesen und die Identität des
musikalischen Werkes besteht .in der Identität der sinnlich wahrnehmbaren
Erscheinung" wie bei den bildenden Künsten, und insoweit „treffen im
literarischen Urheberrechte Gebote und Verbote, Rechte und Pflichten
nicht sowohl die sinnlich wahrnehmbare Erscheinung, die Worte, als
vielmehr den geistigen Gehalt, im musikalischen Urheberrecht niemals den
Inhalt ohne die sinnliche Erscheinung", die an erster Stelle durch den
Tonsatz, die tonischen (melodischen und harmonischen) und die rhytmischen
Verhältnisse der einzelnen Töne, weiterhin durch Klangtiefe, Klangstärke
nnd Zeitmaß der Bewegung bestimmt wird. — Der zweite Abschnitt
(S. 6—50) behandelt die Geschichte des musikalischen Urheberrechts, der
dritte giebt, unter Verweisung auf eine gleichzeitig erschienene Abhand-
lung des Verfassers über „die Natur des Urheberrechts, insbesondere
des literarisch-musikalischen", eine Begriffsbestimmung vom Wesen dieses
Rechts als eines „Schutzes der wirtschaftlichen und idealen Urheber-
interesten an dem Werk in Form eines dinglichen (!) Rechts an dem
Geistesprodukt als solchem, und somit an einem unkörperlichen Objekte,

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