Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

Der Civilmäkler.

27S

selbe äußert sich als Unparteilichkeit und Wahrheit, Redlichkeit und
Gewissenhaftigkeit. Zn Beobachtung dieser Treupflicht hat der Mäkler
bei Uebernahme des Mäklerauftrags schon seinem Kommittenten
alle diejenigen Thatsachen mitzutheilen, welche denselben, falls sie ihm
bekannt wären, von dem Abschlüsse des Mäklervertrags abhalten
würden; er hat ebenso während der Dauer des Rechtsverhältnisses,
insbesondere vor Eingehung des vermittelten Geschäfts, dem Kom-
mittenten alles anzuzeigen, was denselben bewegen könnte, entweder
vom Mäklervertrage zurückzutreten oder das vermittelte Geschäft nicht
einzugehen; er hat bei Unterhandlung des Geschäfts beiden Parteien
alle ihm bekannten Verhältnisse, welche auf den Kontraktswillen der
Kontrahenten Einfluß haben könnten, wahrheitsgemäß anzugeben und
darf keine Partei vor der anderen, sei es durch Verhehlung nach-
theiliger Umstände oder Mängel, durch Anrühmung vorgespiegelter
Eigenschaften oder Vortheile oder auf andere Weife begünstigen.
Bei Ausführung des Mäklerauftrags hat der Mäkler die
nöthige Sorgfalt anzuwenden. Er ist verpflichtet, seine Vermittlungs-
arbeiten mit vollem Fleiße vorzunehmen. Zm allgemeinen hat er die
Anweisungen und Abänderungen der Parteien genau zu befolgen und
alles dasjenige zu unterlassen, was das Interesse derselben gefährden
könnte. Verantwortlich ist er für richtige Mittheilung der ihm ge-
machten Propositionen, für genügende Vergewisserung über die
Identität der mit ihm in Verbindung tretenden Personen. ' Von der
Ausführung des Auftrags hat er die Parteien sofort zu benach-
richtigen und die sonst erforderlichen Auskünfte rechtzeitig abzugeben,
also die Parteien stets auf dem Laufenden zu erhalten, damit sie
ihre Aufträge bestätigen, berichtigen oder aufheben können. Im be-
sonderen macht der Mäkler sich verantwortlich, wenn er sich sch uld-
barer Weise über den vermeintlichen Konsens der Parteien geirrt
hat53). Bezüglich der Subjekte des zu vermittelnden Geschäfts ist
©. 129; Puchelt a. a. O. bei Busch Bd. 13 S. 410 u. Komm. Note 9 zu Art. 66
S. 126 (4. Aufl. S. 153); Note 2 zu Art. 81 S. 141 tS. 169 der 4. Aufl.);
Rocholl a. a. O. bei Gruchot, Bd. 20 S. 408. Die entgegengesetzte Ansicht, daß
der Mäkler nicht verpflichtet sei, die beiderseitigen Zntereffen wahrzunehmen,
sondern nur seinem Auftraggeber zu dienen (z. B. § 1337 II 8 A.L.R.; Bender
§ 60; Endemann Handelsr. S. 774; Grünhut in Endemanns Hdb. Bd. 3 § 311
S. 155; Pöhls Bd. 1 S. 128) verkennt das Wesen der Vermittlung und beruht
auf einer Verwechslung zwischen Mäkler und Mandatar.
M) R.O.H.G. Urth. vom 12. Zanuar 1872 (Entsch. Bd. 4 Nr. 86 S. 412
bis 416, insbes. S. 415).

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