Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

268

Der Civilmäkler.

von körperlichen und geistigen Arbeitskräften, vorliegen. Der neuer-
dings aufgetauchten Ansicht,27) daß die Vermittlerdienste auch in
Unterlassungen bestehen könnten, ist nicht beizupflichten. Erste
und wesentliche Voraussetzung des Mäklervertrags bleibt eine
selbständige, auf die Herbeiführung der Willenseinigung der Kon-
trahenten abzielende Thätigkeit des Unterhändlers. Zn dem das
angeführte Erkenntniß beschäftigenden Falle liegt eben kein Mäkler-
vertrag vor; nicht jedes Provisionsversprechen karakterisirt sich
als Mäkler vertrag.
Ihrem Umfange nach kann die Thätigkeit des Mäklers, nach-
dem er den Auftrag zur Vermittlung eines Geschäfts empfangen
bezw. die Genehmigung einer von ihm ausgegangenen Anfrage er-
halten und beides angenommen hat, in 4 Stadien zergliedert
werden:
1) Das Aussuchen eines vertragslustigen Gegenkon-
trahenten: Der Mäkler bemüht sich, eine Person ausfindig zu
machen, welche geneigt wäre, ein Rechtsgeschäft in der von dem Kom-
mittenten angegebenen Art und Weise und unter den von demselben
vorgeschriebenen Bedingungen mit demselben abzuschließen.
2) Das Uebermitteln der Vertragsgeneigtheit des
Kommittenten: Dieser ausfindig gemachten Person, dem künftigen
Gegenkontrahenten, theilt der Mäkler sodann die Vorschläge und Be-
dingungen seines Auftraggebers mit und erforscht ihre Willens-
meinung in dieser Richtung.
3) Die „Bearbeitung" des Gegenkontrahenten: ist
derselbe von vornherein nicht geneigt, einen Vertrag der vorgeschlage-
nen Art abzuschließen, so bestrebt sich der Mäkler, die Schwierig-
keiten- welche sich einer Vereinbarung in den Weg stellen, durch ihm
geeignet erscheinende Mttel und Vorstellungen zu beseitigen und den
künftigen Gegenkontrahenten vertragsgeneigt zu stimmen. Er ver-
sucht, ihm die Luft einzuflößen, einen derartigen Vertrag, wie ihn
letzterer vielleicht im Allgemeinen abzuschließen bereit ist, gerade mit
seinem Kommittenten und unter den von diesem angebotenen Be-
dingungen abzuschließen. Das Resultat dieses Theils der Thätig-
2’) R.G. Civ.Urth. vom 27. Zum 1888, VI 125/88 (Bolze, Praxis Bd. 6
Nr. 493 S. 186) und Neubauer a. a. O. S. 9 a. E.: Es hatte Jemand seinem
Gutsverwalter für den Fall des Verkaufs des Guts eine Remuneration unter
der Voraussetzung versprochen, daß derselbe dem Verkaufe nicht hinderlich sein
werde.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer