Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

224 Verein, Verbindung, Gesellschaft, Korporation.
bestimmt ist, während im zweiten die Mitglieder sich nur allgemein
zu einem dem Vereinszweck entsprechenden Verhallen verpflichten.
Die zukünftigen Leistungen sind zunächst einzig durch Bezugnahme
auf den Vereinszweck bestimmt und überall, wo die Erreichung eines
gemeinsamen Zweckes wesentlich verschiedene Arten der Thätigkeit
erfordert, wird die Sachlage zur Vereinsbildung drängen. Ze ein-
facher die Verhältnifle sind, je geringer die Differenzirung in der
Arbeitstheilung sich geltend macht, desto mehr tritt der gewöhn-
liche Leistungsvertrag in seine Rechte. Wenn fünf Holzhauer sich
verpflichten, 100, 1000, 10000 Bäume gemeinsam zu fällen,
so verbinden sie sich zu konkreten, von vornherein fest bestimmten
Leistungen. Die den Vertrag beherrschende bona Mos wird sie zwar
auch zu Handlungen verpflichten, die nicht immer beim Vertragschluß
bedacht sind, der Begriff des Leistungsvertrages bleibt jedoch un-
berührt. So wird, wer mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen
hat, von Anderen Unterstützung verlangen dürfen u. s. w., aber nie-
mals werden nach dem Vertragfchluß etwa durch Befehle von Oberen
u. a. für den Einzelnen konkrete Pflichten erst geschaffen, sondern es
kommt nur die Erfüllung solcher, die schon unmittelbar im Ver-
trage selber übernommen sind, in Frage. Daraus ergiebt sich,
daß besonders einfachen Verhältnissen nur ein Leistungsvertrag ent-
spricht, wie bei den Holzfällern Vereinsbildung geradezu aus-
geschloffen war. Andererseits erfordert die größere Verwickelung mit
ihrer Unübersehbarkeil einen juristischen Apparat von größerer
Elastizität. Das Beispiel von den Bäumen wird sich eine Ver-
änderung des Thatbestandes gefallen lassen müssen. Wenn statt der
Holzfäller fünf Bürger aus verschiedenen Ständen sich das Ziel
setzen, (die Mittel zum Ankauf eines Stück Landes zu sammeln und)
daffelbe urbar zu machen, sowie zu irgend welchen Zwecken zu ver-
werthen, werden sie in den meisten Fällen statt mit umständlicher
Regelung des Einzelnen unter Berücksichtigung der individuellen
Leistungsfähigkeit einen im Voraus genau bis ins Kleinste bestimmten
Leistungsvertrag zu schließen, zum Vereinsvertrage greifen. Dieser
bietet den großen praktischen Vortheil, daß die Bestimmung der dem
Einzelnen im Vereinsintereffe aufzulegenden Leistungen nicht un-
mittelbar im Vertrage selbst zu geschehen braucht, vielmehr der Zu-
kunft überlasten bleiben kann. Das nothwendig erscheinende wird
dann durch die im Verein machthabenden Größen als besondere
Leistungspflicht dem Einzelnen auferlegt. Ze schwieriger zu übersehen

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer