Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

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Literatur.

Güter im Gebiete des deutschen Ordens, also in Kulm, Ostpreußen^
Westpreußen und Ermland. Ist auch das Gesammtresultat, welches aus
der Untersuchung hervorgeht, daß diese Güter ursprünglich durchweg
Erbzinsgüter waren und aus verschiedenen Gründen im Lause der Jahr-
hunderte zu vollem Eigenthum sich entwickelten, nicht gerade neu, so
bieten doch die Einzelheiten der Ergebnisse, zu denen die Forschungen
des Verfassers führen, manche interessante und werthvolle Bereicherung
unserer Kenntniß dieser Verhältnisse.
Der Verfasser erwähnt zunächst einleitungsweise die bekannte That-
sache, daß die kölmischen Güter ihren Namen und ihre Rechtsstellung
nicht von dem sog. alten Kulm bekommen haben, sondern von der
Kulmer Handfeste, deren beide ältesten Rezensionen aus den Jahren
1233 und 1251 stammen.
Der erste Abschnitt der Schrift behandelt sodann das älteste Recht
der kölmischen Güter. „Schlechthin maßgebend für den Begriff des
kölmischen Rechts in den Güterverschreibungen ist die Bestimmung der
Kulmer Handfeste, daß die Bürger von Kulm und Thorn die ihnen
vom deutschen Orden verkauften Güter zu flämischem Erbe besitzen
sollen." Eine Rechtsfolge der Verleihung zu kulmischem Recht ist sonach
die Gleichberechtigung beider Geschlechter bei der Erbfolge; eine zweite
nach ursprünglichem kulmischen Rechte stets Leihguts-, und zwar Erb-
zinsgutseigenschaft des vergebenen Landes. Bei dem hierauf gerichteten
Nachweise setzt der Verfasser zutreffend auseinander, daß der Ausdruck
allodiurn in Art. 15 der Handfeste von 1233 nicht Allodialbesitz be-
deutet, irrt aber darin, wenn er es als „Haupthof" interpretirt. Die
Worte: „si fort« aliquis antedictorum civium necessitatis causa allo-
dium suumvel decem mansos ad majus ab aliis bonis suis
separare voluerit et vendere separatim. is idem ius idem-
que servicium domui nostre debebit facere de reliquo, quod prius de
toto noscitur debuisse. Is vero, qui idem allodium vel decem mansos
emerit, debet racione eiusdem allodii-ad tale obsequium esse
obnoxius, quale etc.“ — lassen keinen Zweifel darüber, daß es sich hier
nicht um Veräußerung des Haupthofs, sondern nur um Veräußerung
eines kleineren Theils des Besitzes handeln kann. Zutreffend übersetzt
denn auch schon die älteste deutsche Uebersetzung allodium mit Vor-
werk — was auch der Verfasser (S. 7) selbst anführt, aber irrig mit
„Haupthof" identifizirt.
Weiter wird ausgeführt, daß dem kölmischen Erbzinsmann Reiter-
dienst und Zinspflicht (Rekognitionszins) auferlegt ist, er dagegen freies
Veräußerungsrecht hat, allerdings mit der Beschränkung, daß die Ver-
leihung des Gutes an den Erwerber durch den Orden erfolgt, und dieser
nur taugliche Personen anzunehmen braucht.
Die dabei S. 21 über die Zehntqualität der dem Bischöfe von
Kulm zustehenden besonderen Getreideabgabe gegen Schroeder geführte
Polemik beruht augenscheinlich auf einem Mißverständnisse der Aus-
führungen des letztgenannten Schriftstellers.

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