Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

12.48. Olshausen, Reichsmilitärstrafgesetzgebung

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Literatur.

bauverwaltung. XII. Schulunterhaltung. XIII. Schulhygiene. XIV. Ver-
mischtes und Außerpreußisches.
Man ersieht aus dieser Zusammenstellung, einen wie reichen Inhalt
die neue Zeitschrift bieten wird. Rassow.

101.
Theorie et pratique de la conquöte dans rancien droit (etude de
droit international ancien) par IreneeLameire, professeur aggrege
de droit public ä la faculte de droit de l’universite de Lyon. Intro-
duc tion. Paris, librairie nouvelle de droit et de jurisprudence.
Arthur Rousseaux editeur. 14, nie Souffiot et rue Touillier, 13.
1902.
Die Eroberung, d. i. die Besitznahme feindlichen Gebiets im Kriege,
ändert nach unseren heutigen Begriffen in dem staatsrechtlichen Ver-
hältnisse des eroberten Gebiets bis zum Friedensschlüsse nichts. Das
vom Eroberer besetzte Gebiet bleibt Theil des feindlichen Staates und
alle Maßregeln des Eroberers im eroberten Lande stehen unter miß
tärischem Gesichtspunkt: er bezweckt damit, diesen Theil des feindlichen
Staates zu entwaffnen, ferner dessen -Mlfsmittel dem Gegner zu ent
ziehen und sich zur Kriegführung nutzbar zu machen. Das dürfte
wenigstens die Theorie sein, die Preußen und Deutschland in den Kriegen
des verwichenen Jahrhunderts befolgt haben. Wir haben das Elsas;
und Lothringen erst nach dessen Abtretung im Frankfurter Frieden als
nicht mehr zu Frankreich, sondern zu Deutschland gehörig angesehen.
Eine andere Theorie soll aber, so belehrt uns der Vers, der vorliegenden
Schrift, im Zeitalter Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. sich Geltung
verschafft haben und gegen Ende des siebenzehnten Jahrhunderts zur
völligen Ausbildung und Anwendung gelangt sein: die Theorie des
unmittelbaren Wechsels der Souveränetät in dem eroberten Gebietstheile
kraft der Eroberung. Der König ließ sich huldigen und nahm alle
Souveränetätsrechte in diesem Gebiet in Anspruch, bis der Friedens-
schluß dies auch für die Folge bestätigte oder eine Rückgabe des er-
oberten Gebiets, also einen abermaligen Souveränetätswechsel, zur Folge
hatte. Sonach hörte mit der Eroberung der Kriegszustand für das er-
oberte Gebiet auf und es mag richtig sein, wenn der Berf. sagt (3. 75-:
„On ne peut s’empecher de penser que les invasions anciennes
avaient un caractere de douceur relative et d’urbanite que n’ont, plus
les guerres contemporaines.“ Eine Rückkehr zu jener Theorie scheint
uns gleichwohl völlig ausgeschlossen; sie steht in krassem Widerspruche
zum Karakter der feindlichen Okkupation, die den Wechselfällen des
Krieges, solange dieser dauert, unterliegt, und verdankte ihre Entstehung
wohl nur dem überspannten Machtbewußtsein Ludwigs XIV.
Jene merkwürdige Erscheinung nun im internationalen Rechte der
vergangenen Jahrhunderte soll der Gegenstand des Werkes sein, zu dem
die vorliegende, 84 Seiten zählende Schrift die Einleitung bildet. Der
Verf. giebt darin Auskunft über die Quellen, die in einem weit ver-

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