Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

Stölzel, Die Entwicklung der gelehrten Rechtsprechung 74 s
Der vorliegende erste Band des Werkes hat es indessen noch nicht
mit der Darstellung, wie die Rechtsinstitute in den Schöffensprüchen
inehr und mehr romanisirt wurden, zu thun. Er enthält die äußere
Geschichte des Brandenburger Schöppenstuhls in sechs Büchern. Das
erste Buch handelt von den Oertlichkeiten und den beim Schöppenstuhl
üblichen Titulaturen und Anreden; das zweite bringt Alles, was sich
über die Personen der gleichzeitig und nach einander thätig gewesenen
Schöppen und Schöppenschreiber hat ermitteln lassen; im dritten Buche
behandelt der Vers, unter der Ueberschrift: „Ausbildung des Per-
sonals" das Notariat als Vorstufe für den Schöppendienst, ferner
Schulen, Universität, Bibliothek; das vierte Buch ist der Organisation
des Schöppenstuhls und ihrer Entwickelung gewidmet; das fünfte be-
schäftigt sich mit den „Konsulenten", das heißt den Rathsuchenden —
inländischen und ausländischen Gerichten, sonstigen Behörden und Pri-
vaten —, die einen Schöppenspruch erbaten und sich damit das Recht
vom Schöppenstuhl holten; im sechsten Buche endlich wird das Ver-
fahren, darunter auch Siegelung, Gebühren und Gehalt, behandelt.
Eine Anlage enthält in chronologischer Folge die namentliche Auf-
führung der Schöppen und Schöppenschreiber, soweit sie urkundlich er-
mittelt sind; hinzugefügt ist ferner eine Abbildung der bei dem
Tchöppenstuhl gebrauchten Siegel.
Bietet somit dieser Band, für sich betrachtet, zunächst ein fesseln-
oes Bild märkischer Rechtspflege, so können wir doch auch in ihm schon
oas Borschreiten des römischen Rechtes verfolgen. Er bildet in dieser
Beziehung eine Skizze, die im folgenden Bande ausgefüllt werden wird.
Wir ersehen, wie die gelehrte Vorbildung mehr und mehr zur Vor-
bedingung für das Schöffenamt wird, und wie der „weise" Schöppe
dein „gelehrten" Schöppen weicht. Wie deutsches und römisches Recht
mit einander im Kampfe lagen, selbst noch um die Mitte des 16. Jahr-
hunderts, davon wird unter Anderem aus S. 513 ein lehrreiches Bei-
spiel gegeben. Andererseits wurde schon im 16. Jahrhunderte die Un-
kenntniß des deutschen Rechtes so groß, daß der Sachsenspiegel in der
Borstellung des Volkes und der Gerichte zu einem Zauberspiegel in den
wänden der Hexen geworden war (S. 294, 295). Im Anschlüsse hieran
mag auch noch auf die kulturhistorische Bedeutung gerade dieses ersten
Bandes hingewiesen werden, die besonders in den zahlreich vorkommen-
oeu Strafrechtsfällen und deren richterlichen Behandlung zu Tage tritt.
Bei der gewaltigen Fülle des Stoffes, der hier verarbeitet ist,
konnten trotz aller Sorgfalt einzelne Versehen und Jrrthümer kaum
ausbleiben. Einige Versehen sind indessen vom Verfasser selbst in den
'.Nachträgen und Berichtigungen" am Schluffe des Bandes berichtigt,
und was davon noch übrig bleibt, ist, soviel wir haben finden können,
von geringfügiger Art. So wird S. 148 als väterlicher Großvater
^ es Schöppen Bernhard Didden einmal der Pfarrer Andreas Didden
und gleich darauf der Kammergerichtsadvokat Joachim Didden bezeichnet,
^aß nämlich der letztere sowenig wie der erstere der mütterliche Groß-
u er war, scheint aus der weiteren Darstellung hervorzugehm, wonach

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