Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

12.29. Kruse, Das Standesamt

Kruse, Das Standesamt.

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setzung des Aufsichtsraths (S. 11), welcher in erster Linie bestimmt ist,
die Geschäftsführung zu kontroliren, nicht aber durch die Namen seiner
Mitglieder der Gesellschaft ein Relief zu verleihen. Mit dem Be-
streben, solche Leute zu Aufsichtsräthen zu machen, die Verständniß für
die Eigenart des Unternehmens haben, muß Hand in Hand gehen der
Wunsch, ihr Interesse dauernd dem Unternehmen zu erhalten. Zu
diesem Zwecke werden Gesetzesbestimmungen verlangt, wonach jedes Auf-
sichtsrathsmitglied für die Dauer seines Amtes eine bestimmte Anzahl
Antheilscheine besitzen (S. 14) und bei einem unbetheiligten Dritten,
B. der Reichsbank (S. 16), hinterlegen muß. Gesetzlich soll auch die
Zahl der Stellen festgelegt werden, welche ein Einzelner gleichzeitig be-
kleiden darf, um Massenübernahmen vorzubeugen — hat doch ein
Kölner Bankier 35 Stellen innegehabt (S. 17). Endlich wäre die
individuelle Arbeitsleistung der Aufsichtsrathsmitglieder gesetzlich festzu-
legen und die Haftung der Mitglieder dergestalt zu regeln, daß jeder
einzelne für die seiner besonderen Aufsicht unterstellten Angelegenheiten
in erster Linie, seine Amtsgenossen dagegen nur subsidiär und nur mit
einem ihrer Zahl entsprechenden Bruchtheil ihres Vermögens haften
würden (S. 37—40). Es wird eingehend geschildert, wie in An-
lehnung an die Organisation der Stadtverwaltungen die Arbeit in ein-
zelne Dezernate zu vertheilen und ein Zustand zu schaffen wäre, in
dem der Einzelne, ohne in seiner Berufsarbeit übermäßig beschränkt zu
werden, in Wahrheit Kontrolle üben könnte (S. 20—37). Ob nicht trotz
der gegentheiligen Versicherungen des Vers, die Trennung der Funktionen zu
einer mit der Einheit des Geschäftsverkehrs unvereinbaren Minderung
der Direktorialgewalt führen würde, kann nicht weiter erörtert werden.
Von Interesse ist das große Material über die Bezahlungsverhält-
nisse des Aufsichtsraths (S. 41 ff.). Die verschiedenen Systeme —
^antiemesystem, System der festen Vergütung und gemischtes System —
werden besprochen. Der Vers, schlägt dabei gesetzliche Festlegung des
Höchstbetrags der Tantieme vor und will beim reinen Tantiömesystem
einmal den Höchstbetrag der Gewinnquote (6 pCt.) und ferner die
Summe festgestellt wissen, die der Einzelne im günstigsten Falle soll er-
halten können (10000 M.).
Die Darlegungen, „für welche die Erfahrungen einer zehnjährigen
praktischen Thätigkeit verwerthet werden konnten," sind ein interessanter
^ertrag zu der Frage nach der Sicherung der Aktionäre gegen unlautere
oder unvorsichtige Geschäftsführung. vr. Heinrici.

82.
Ätan-esamt. Handbuch für Standesbeamte, nach den Ministerialakten
bearbeitet und herausgegeben von vr. F. Kruse, Regierungspräsident
in Bromberg. Sechste Auflage von Wählers, Das Reichsgesetz vo«
6- Februar 1875. Berlin 1902. Verlag von Franz Bahlen. (Geb. M. H,—.)
d-s aw Erste Bearbeitung des Reichsgesetzes über die Beurkundung
-Personenstandes und die Eheschließung von WohlerS ist 1879 er-
Britrüge, «. Jahrg. 4. u. 8. Heft. 46

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