Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

12.18. Gerstel, Der Ersatz des interdictum quod vi aut clam im neuen deutschen Rechte

Gerstel, Der Ersatz des Interdictum quod vi aut clam.

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fähigen Vereine im § 50 C.P.O. hinwegzukommen wissen und ihnen
schlechtweg auch aktive Parteifähigkeit zubilligen. Das stände im Wider-
spruche mit dem Gesetze. Noch weniger können wir es natürlich
billigen, daß der Verf. sogar der Doktrin eine rechtsbildende Kraft gegen
das Gesetz beilegt (S. 49). Dem Versuche der Doktrin, wirthschaftliche
Vereinigungen, die im Sinne des preuß. Landrechts nicht als erlaubte
Privatgesellschaften nach Theil II Tit. 6 gelten können, dennoch mit
Rücksicht auf die seit Emanation des Landrechts geänderten Verhältnisse
zu solchen zu machen, sobald sie sich eine korporationsähnliche Gestaltung
geben, ist das Reichsgericht nicht bloß in dem vom Vers, zitirten Ur-
theile vom 26. April 1897 (Entsch. in Civilsachen Bd. 39 S. 287),
sondern auch in den Urtheilen vom 7. April 1886 und 26. Januar
1898 (Entsch. Bd. 16 S. 196, 197 und in diesen Beiträgen Bd. 43
S. 749) entgegegentreten.
Leipzig._Boethke.

71.
Der Ersah des interdictum quod vi aut «lau» im neuen deutschen
liechte. Bon Dr. jur. Alfred Gerstel. Berlin 1902. Struppe u.
Winckler. (M. 1,50.)
Die anregend geschriebene Abhandlung bespricht im ersten Theile
kurz die Grundzüge des interdictum quod vi aut clam (15 S.). Der
Weite umfassendere Theil beschäftigt sich mit der Frage nach dem Ersätze
des Interdikts durch entsprechende Rechtsbehelfe im Rechte des Bürger-
lichen Gesetzbuchs und der Civilprozeßordnung, und zwar zunächst für
den Normalfall, d. h. die auf Grund einer eigenmächtigen, das recht-
liche Interesse des Klägers verletzenden Veränderung an einem privaten
Grundstücke gegebene Klage, und sodann für die beiden vom Normal-
sall abweichenden Fälle, nämlich das Interdikt auf Grund eines trotz
Prohibition nicht befriedigten Anspruchs auf cautio damni inkccti und
das Interdikt auf Grund einer das Privatinteresse verletzenden Ver-
änderung an einem öffentlichen Grundstücke. Verf. kommt zu dem Er-
gebnisse, daß es einen die sämmtlichen Funktionen des Interdikts um-
sassenden Rechtsbehelf im geltenden deutschen Rechte nicht giebt. Den
. des dem Besitzer zustehenden Interdikts findet er in der Besitz-
storungsklage des § 862. Dagegen hat die andere Funktion des
romtsch-rechtlichen Interdikts, wonach der Besitzer provisorisch Vergütung
des durch die Errichtung des opus für ihn entstandenen Schadens ver-
angen kann, einen gleichwerthigen Ersatz im neuen Rechte nicht gefunden,
ft § 862 eine Schadensersatzpflicht nicht anerkennt, solche vielmehr nur
W E Vorschriften über die Schadensersatzpflicht aus unerlaubten
f'mac ^en gegründet werden kann, also die widerrechtliche Verletzung
A ll Nemden Rechtsguts voraussetzt, so daß also die Berufung des Be-
ist ^ auf fc!n blecht zum Eingriff in die fremde Rechtssphäre zulässig
«arf, Teichen Ergebnisse kommt der Verf. bei Prüfung der Frage
™ 0em Ersätze des einem obligatorisch Berechtigten zustehende« Znter-

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