Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

388

Einzelne Rechtsfälle.

Bergung zugesagte Vergütung und für die sonstigen, durch die Ber-
gung weiter veranlaßten Forderungen drittter Personen, die (soweit
erhellt) ebenfalls sämmtlich auf Rechtsgeschäfte des Schiffers zurück-
zuführen sind, persönlich überhaupt nicht in Anspruch genommen
werden. Er hastete dafür nur mit Schiff und Fracht, so daß ihm
Zahlungen über den Werth des Wrackes und der ihm erhaltenen
Distanzfracht hinaus nicht angesonnen werden konnten. Ebenso er-
giebt sich aus dem H.G.B. Art. 755 Abs. l, daß durch die Bergung
des Schiffes an sich eine persönliche Verpflichtung des Klägers zur
Entrichtung der Bergungskosten nicht ins Leben trat. Und mit
Rücksicht darauf, daß über die Vertheilung der Bergungskosten am
Schiff, Fracht und Ladung eine nach den Regeln der großen Haverei
(H.G.B. Art. 702 ff.) aufgemachte Dispache vorgelegt worden ist.
mag weiter darauf verwiesen werden, daß nach Art. 728 auch durch
einen Havereifall eine persönliche Verpflichtung zur Entrichtung ves
Beitrags nicht begründet wird. Uebrigens kann hier von „Beiträgen
zur großen Haverei" im Sinne des Gesetzes überhaupt nicht ge
fprochen werden. Denn wenn man auch annchinen will, daß die
Maßregeln, die zur Rettung von Schiff und Ladung aus der durch
das Sinken für beide herbeigeführten gemeinsamen Gefahr vollftän
digen Untergangs ergriffen wurden, an sich einen unter Art. Tos
Nr. 3 Abs. 4 unterzubringenden Fall großer Haverei darstellen
können, so konnten gleichwohl die besonderen, vom Gesetze geordneten
Rechtsfolgen der großen Haverei hier nicht eintreten. Denn die
Haverei-Vertheilung tritt nach Art. 705 nur ein, wenn Schiff und
Ladung ganz oder theilweise gerettet worden sind. Hier ist aber
dem Werthe nach nichts gerettet worden. Die geretteten Wertbe
waren geringer, als die für die Rettung nufgewendeten Kosten. Der
Berger war also in der Lage, das Gerettete vollständig für sich in
Anspruch zu nehmen. Zu einer Zahlung von „Beiträgen" aus den
geretteten Werthen ist kein Raum.
Hiernach fehlt es bis jetzt an jeder Unterlage für die Annahme,
daß der Kläger in Folge des Zusammenstoßes nicht nur — was aller-
dings feststeht — sein Schiffsvermögen vollständig eingebüßt hat,
sondern daß er auch darüber hinaus noch aus seinem Landvermögen
Aufopferungen hat machen müssen, die als durch den Zusammenstoß
verursacht angesehen werden dürfen. Solche Aufopferungen könnten
eingetreten sein, falls der Kläger nach dem Sinken des Schiffes etwa
Anlaß genommen haben sollte, persönlich zu interveniren und durch

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer