Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

6.12. Schultze, Treuhänder im geltenden bürgerlichen Rechte

162

Literatur.

Eine sehr eingehende Interpretation der eingreifenden Stellen des
römischen Rechtes unter genauer Prüfung, ob es sich in den behandelten
Fällen auch wirklich um Schadensersatz handelte, und eine ebenso ein-
gehende Behandlung der Literatur, der Rechsprechung in den mannig-
fachsten Fällen, endlich auch der modernen Gesetzgebung begründen die
Ergebnisse. Auch wo man nicht beistimmt, hat man die Sorgfalt und
Schärfe der Untersuchung anzuerkennen. Das Buch hat nach meiner Ansicht
die schwierige Lehre in sehr dankenswerther Weise geklärt und wird in der
Praxis des neuen Rechtes eingehende Beachtung verdienen. Eccius.
11.
Treuhänder im geltenden bürgerlichen Uechte. Von 1>r. Alfred Schultze,
Professor und Overlandesgerichtsrath in Jena. Jena 1901. Gustav
Fischer. (M. 2,50.)
Die vorliegende interessante und beachtenswerthe Schrift ist der
Abdruck eines Aufsatzes, den der Vers, im 4:;. Bande von Jherings
Jahrbüchern für die Dogmatik des bürgerlichen Rechtes veröffentlicht
hat. Er beschäftigt sich mit der Rechtsstellung des Treuhänders, d. h.
desjenigen, welcher Eigenrechte empfangen hat mit der Bestimmung, sie
nicht im eigenen, sondern in einem bestimmten fremden Interesse zu
gebrauchen. Nach einem historischen Rückblick auf verwandte Bildungen
des römischen und des älteren deutschen Rechtes kennzeichnet der Vers,
den Unterschied dieser beiden Rechte dahin, daß das römische Recht
den Treuhänder nur obligatorisch, das deutsche aber ihn dinglich an
die Zwecksatzung bindet. In diesem letzteren Sinne will der Verf.
den Treuhänder auch auf dem Boden unseres heutigen bürgerlichen
Rechtes anerkannt wissen. Er verwerthet in dieser Beziehung insonder-
heit die Bestimmung des § 161 B.G.B. über die Unwirksamkeit von
weiteren entgegenstehenden Verfügungen über einen Gegenstand, über
den unter einer aufschiebenden oder einer auflösenden Bedingung ver-
fügt worden ist. Im Weiteren wird dann die praktische Bedeutsamkeit
des Grundgedankens, d. h. der dinglich beschränkten Rechtsstellung des
Treuhänders, an einer Reihe einzelner Rechtsinstitute nachgewiesen, aus
denen ich die Sammlung von Beiträgen zu wohlthätigen oder gemein-
nützigen Zwecken (§ 6), das Voll-Indossament zum Inkasso (§ 7)
und den Testaments-Vollstrecker (ß 9) als besonders bedeutsam hervor-
heben möchte. Die Ausführungen des Verfassers sind sehr ansprechend
und verdienen eingehende Erwägung und Beachtung, auch bei den zur
Rechtsprechung berufenen Juristen.
Bei allem Lobe, das das Buch auch nach seiner formalen und
sprachlichen Seite hin herausfordert, sei es doch gestattet, hier gegen
zwei Ausdrücke Widerspruch zu erheben. „Unstimmigkeit" (S. 12) ist
wirklich kein Wort, dessen Einbürgerung man befördern sollte, und von
einem „Selbsteintritt" des früheren Rechtszustandes zu reden, wenn
gesagt werden soll, daß der frühere Rechtszustand von selbst wieder
eintritt, ist auch weder schön, noch richtig. Dr. Sievers.

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