Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

6.11. Oertmann, Die Vortheilsausgleichung beim Schadensersatzanspruch

Oertmann, Die Vortheilsausgleichung beim Schadensersatzanspruch. 161
Mitarbeiters Dy. Schüller, die auf S. 511 des vorigen Jahrganges be-
gonnen sind und mit Bezug auf die einzelnen Verträge in diesem Bande
fortgesetzt werden. -Hier ist überall auf die sehr beachtenswerthen Er-
örterungen in den beiden hier angezeigten Büchern hingewiesen, so daß
die Leser der Beiträge sich ohne erneute Erörterung ein anerkennendes
Urtheil über diese beiden Werke gebildet haben werden. Eccius.
10.
Nie NortheilsauSgleichuug beim Schadrnsersahanspruch im römischen und
deutschen bürgerlichen Rechte. Von vr. Paul Oertmann, o. ö. Pro-
fessor der Rechte in Erlangen. Berlin 1901. I. Guttentag. (M. 7,50.)
Die vorliegende sehr anerkennungswerthe Monographie versucht die
Regeln für die Anrechnung oder richtiger Ausgleichung von Vortheil
und Schaden bei einem zu erhebenden Ersatzansprüche festzustellen, Regeln,
seren Gewinnung die Vorarbeiten für das Recht des B.G.B. der
Praxis überwiesen haben, ohne daß ausdrückliche Gesetzesvorschläge in
Frage gekommen wären. Der Verf. knüpft an den Begriff des Scha-
dens an, den er nicht abstrakt als die in Geld zu berechnende Differenz
des Vermögens vor und nach dem schadenden Ereignisse, sondern unter
Berücksichtigung der Zulässigkeit des Ersatzes durch Wiederherstellung
konkret in der Entziehung oder Entwerthung eines Vermögensbestandtheils
findet. Während er sonst in dem Buche neben den sonstigen modernen
Gesetzgebungen auch das Allgemeine Landrecht berücksichtigt, geschieht es
hier nicht, da ihm doch A.L.R. I. 6 § 1 die Begriffsbestimmung des
Schadens als Verschlimmerung des Zustandes eines Menschen in An-
sehung seines Körpers, seiner Freiheit oder Ehre oder seines Vermögens
geboten hätte. Der Verf. hebt mit Recht hervor, daß, während bei der
abstrakten Auffassung des Schadens die Berücksichtigung des auf der-
selben Grundlage erwachsenen Vortheils rechnungsmäßig ohne Weiteres
zur Annahme einer geringeren Vermögenseinbuße führt, gerade bei der
konkreten Auffassung die Frage der Anrechnung deutlicher hervortritt,
weil hier die Anrechnung als Ausgleichung verschiedenartiger Vermögens-
stücke wirksam wird.
So betrachtet der Verf. auch die Fälle, in welchen der Schadens-
ersatzanspruch durch eine Abtretungspflicht modifizirt wird, unter dem
Gesichtspunkte der compensatio lueri eum ckamno.
Eine der Hauptaufgaben des Buches ist die Erörterung der kau-
salen Verknüpfung zwischen Vortheil und Nachtheil, wobei er nach Er-
örterung des Wesens der Kausalität die Frage stellt, ob die Anrechnung
nur stattfinde, wenn der Vortheil aus denselben Geschehnissen entspringt,
welche den Schadensersatzanspruch erzeugt haben, oder ob eine Einheit
der Grundlage des Schadensersatzes und der Vortheilsvergütung auch
dann anzunehmen ist, wenn verschiedene Geschehnisse den Vortheil und
den Nachtheil herbeigeführt haben, diese aber mittelbar auf dieselbe
Grundlage zurückgeführt werden können, eine Frage, die im erster«
Sinne entschieden wird.
Beiträge, 46. Jahrg. 1. Heft.

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