Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

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Literatur.

Abschnitten des Werkes, beispielsweise bei dem ehelichen Güterrechte,
geht die Darstellung derartig in's Spezielle, daß' die Fülle der eng zu-
sammengedrängten Einzelheiten auf den Anfänger eher verwirrend, als
aufklärend wirken muß.
Andererseits ist zur Verdeutlichung der Grundbegriffe und der
unterscheidenden Merkmale der Rechtsinstitute zwar viel durch Beispiele
und Darlegung des Zweckes der einzelnen Rechtssätze geschehen; auf ein
anderes, zum Verständniß unseres Rechtes dienliches, vielleicht unent-
behrliches Hülfsmittel, nämlich die Aufzeigung des rechtsgeschichtlichen
Zusammenhanges, ist dagegen so gut wie ganz, und zwar, wie es scheint,
grundsätzlich verzichtet. Alles geltende Recht ist doch nur eine Phase in
der Rechtsentwickelung. Auch das B.G.B. macht davon keine Aus-
nahme, wie nicht erst dargelegt zu werden braucht und vom Vers, nicht
verkannt wird (vergl. die „historische Einführung" im § 2). Wenn
aber das Recht des B.G.B. nicht von der Vergangenheit losgelöst ist,
sondern zum größten Theil in dieser seine Wurzeln hat, so ist ein
lebendiges Verständniß der Rechtssätze ohne Kenntniß dieses Zusammen
Hanges, sowohl in ihrer Uebereinstimmung mit dem süheren Rechte, als
in ihrer bewußten Abweichung von demselben, nicht wohl zu denken.
Man lese, was der Vers. S. 77 über den Satz: „Kauf bricht nicht
Miethe" sagt. Dem Anfänger wird nichts übrig bleiben, als diesen
Satz lediglich seinem Gedächtniß einzuprägen. Es würde sicherlich seine
Fassungskraft nicht überschreiten und zur verständnißvollen Erfassung des
Satzes wesentlich beitragen, wenn er erführe, welche sich widersprechende
Rechte in diesem Punkte bisher in Deutschland galten, und wie das
jetzige Recht sich zu jenen Rechten vermittelnd gestellt habe. Welche
Gründe den Vers, veranlaßt haben, bis auf wenige Reminiszenzen aus
dem römischen Rechte und auf kurze Andeutungen über die Vorgeschichte
des heutigen Immaterialgüterrechts (S. 632) den historischen Zusammen-
hang unberücksichtigt zu lasten, wissen wir nicht. Auch sein Aufsatz im
Archiv für bürgerliches Recht, Bd. 19 S. 1, hat uns darüber nicht auf-
geklärt. Denn wir behaupten hier nicht — im Widerstreite mit jenem
Aufsatze —, daß der Unterricht mit dem römischen Rechte oder einem
anderen Rechte der Vergangenheit zu beginnen habe, sondern nur,
daß bei der Darstellung des geltenden Rechtes der Faden nicht zerrissen
werden sollte, der es mit der Vergangenheit verknüpft.
Der Vorstellung, daß wir es im B.G.B. mit einem, aus reinen
Vernunftprinzipien abgeleiteten Zdealrechte zu thun haben, kommt der
Vers, noch weiter durch die Tendenz entgegen, solche Bestimmungen, die
sich in die Regel nicht einfügen, gleichwohl aus eine Weise zu erklären,
daß ihnen das Anomale abgestreift wird und sie als reine, ja selbst-
verständliche Rechtskonsequenzen erscheinen. Einige Beispiele mögen
zeigen, zu welchen Ergebnissen dieses Bestreben geführt hat.
Der §31 B.G.B., der die Haftung der Vereine für Handlungen
ihrer Vertreter einführt, wird auf S. 49 folgendermaßen erläutert: Die
Beamten des Vereins, von denen hier die Rede sei, seien richtiger als
Organe zu bezeichnen. Sie seien Organe des Vereins, wie die Hand

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