Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 51 (1907))

656

Literatur.

Zeit mit Ausnahme des Privatrechts. Dieses war dem dritten Bande
Vorbehalten. Vor der Publikation dieses dritten Bandes hat Brunner
sich entschlossen, die ersten beiden — vergriffenen — Bände neu zu be-
arbeiten. Soviel Entsagung das auch erforderte — die seit zwanzig
Zähren hoch angewachsenen Ergebnisse neuer wissenschaftlicher Arbeit
ließen es ihm mit Recht wünschenswert erscheinen. Nur durch schärfste
Formulierung und größte Selbstbeschränkung war es möglich, den Text
des jetzt vorliegenden ersten Bandes auf 588 Seiten (gegenüber den
412 Seiten der ersten Auflage) zu begrenzen. Der Band umfaßt die
gesamte germanische Zeit, ferner die Grundlagen (politische Geschichte.
Wirtschaft, Stände, Familie) und die gesamten Rechtsquellen der fränki-
schen Periode. Ein gutes, von M. Rintelen gearbeitetes Sachregister
(weitere 40 Seiten) ist beigefügt. Ein Quellenregister, welches sehr
wünschenwert wäre, wird hoffentlich später Nachfolgen.
Die Grundlagen des Werkes sind unverändert. Brunner hat in allen
entscheidenden Punkten seine früheren Ansichten beibehalten. Trotzdem
liegt ein neues Buch vor. Nicht nur ist quantitativ ein ganzes Drittel neu,
sondern alles ist umgestaltet, neu durchdacht und vertieft, oft nur durch
ein kurzes Wort, oder ein Zitat abgeändert, oft durch lange Einschie-
bungen oder mühevolle Einzelergänzungen von Note zu Note.
Methodisch fällt zunächst noch mehr als in der ersten Auflage bie
umfassende Heranziehung der gesamten Kulturgeschichte zur Aufhellung
des Rechtszustandes auf. Die enge Beziehung zwischen der Entwickelung
der Sprache, der Religion, der Kunst und des Rechtes tritt dem Leser
von Seite zu Seite vor die Seele. Die Ausführungen über die Rechts-
terminologie sind vielfach erweitert und dabei sind neben den deutschen
Dialekten im engeren Sinne (wie schon früher aber in noch größereni
Umfange) die nordischen, angelsächsischen, langobardischen Sprachdenk
mäler eingehend herangezogen. Die vergleichende Sprachforschung hat
reiches Material geliefert, namentlich auf die Werke Leists und das Real-
lexikon Schräders wird oft verwiesen: immer wieder lüftet sich ein-
mal der Schleier, welcher vor der geheimnisvollen Urgeschichte der
europäischen Menschheit liegt, und die mühevolle und feinsinnige Arbeit
der Philologen empfängt erfreuliche Bestätigung aus der Hand des
Juristen. Besonders fruchtbar ist auch ein alter Lieblingsgedanke
Brunners, der Einfluß von Religion, Kult und Mythus auf das Recht,
verwertet. Namentlich der Gedanke des Fortlebens nach dem Tode
wird in seiner Bedeutung für die Rechtsgestaltung immer wieder betont,
und der Stoff erhebt sich bisweilen zu dichterischer Höhe. Wie denn
umgekehrt auch die Poesie, die deutsche, nordische und angelsächsische,
die christliche wie die heidnische allenthalben verwertet ist; die Klänge
des altsächsischen Heliand und des angelsächsisch-nordischen Beowulf
tönen aus dem alten Rechte wieder.
Brunner will nur das eigentliche deutsche Recht schildern, nicht
deffen „Schwesterrechte", das nordische und gotisch(-spanisch)-vandalische,
und nicht die „Tochterrechte", das angelsächsisch-englische, das lango-
bardisch-italienische und das französisch-niederländische Recht. Aber wie

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer