Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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das jus, nicht in fester gesetzlicher oder gewohnheitsrechtlicher Satzung aus-
geprägt, sich im Volke erzeugte und lebte, aber eines Organes bedurfte, durch
welches es sich im einzelnen Streitfälle kund gab; diese Function kam ur-
sprünglich dem König, später den Consuln als „jus dicentes“ zu, welche
auch hier das Recht nicht schufen, aber, da es nicht zum Buchstaben verkörpert
war, es wiesen und aussprachen. Unter lites versteht der Verfasier die auf
das lege agere folgenden Processe, unter jurgia die Rechtsstreitigkeiten,
welche vom Magistrat als Träger der jurisdictio oder von einem durch ihn
nicht auf Grund einer lex, sondern vermöge seiner jurisdictio berufenen
judex privatus entschieden wurden. An der lex (publica) nahmen nur die
cives Theil, am jus auch andere Rechtsgenossen, welche als non- cives der
lex und ihren Wirkungen nicht theilhaflig waren; dem entsprechend gab es
auch zwei Arten von Geschäften und Rechten, solche, die unter der Herrschaft
der lex und solche, die unter dem jus standen. Eigenthum an res mancipi
wurde im Streitfall mit einer legis actio, welche zur lis führt, geltend ge-
macht; zum Schutze des Eigenthums an res nec mancipi konnte nur die
jurisdictio des Königs u. s. w. angerufen werden; ein Proceß über solche
Sachen war nur ein jurgium. Der Gegensatz zwischen lites und jurgia
wurde aber nach und nach abgeschwächt und ausgeglichen.
Die Darstellung zerfällt in 4 Abschnitte, von welchen der erste sich mit
der Form des Verfahrens beschäftigt. Das erste Kapitel des ersten Abschnitts
handelt hauptsächlich von der legis actio und jurisdictio, den 5 modi lege
agendi im Allgemeinen und dem generalis modus lege agendi, das
2. Kapital (S. 69) von den Hauptarten der sacramenti actio und den
einzelnen unter dem Schutze der jurisdictio stehenden Ansprüchen, von sacra-
mento agere in rem, der in rem actio per sponsionem und von sacra-
mento agere in personam; das 3. Kapitel (S. 144) behandelt wesentlich
die legis actio per manus injectionem, das 4. (S. 201) die legis actio
per pignoris capionem, das 5. (S. 218) die Recuperationsprocefse, das
6. (S. 230) die legis actio per condictionem, das 7. (S. 241) den
Rechtsschutz durch das imperium, d. h. diejenigen Streitverhältnisse, welche,
wie der Schutz an öffentlichen Wegen, Gewässern u. s. w. gegen Beein-
trächtigungen durch einzelne Bürger, an sich weder im Systeme der legis
actio noch der jurisdictio ihre Stelle fanden. Der zweite Abschnitt (S. 247)
beschäftigt sich sodann mit dem judicium, dem Centumviralgericht, den decem-
viri litibus judicandis, der Auswahl und Bestellung der judices und
arbitri, der dritte Abschnitt (S. 262) mit dem Orte und der Zeit der
Rechtspflege, den Gerichtstagen, dies fasti, nefasti u. f. w. Im vierten
Abschnitte (S. 320) schildert der Verfasser den Gang des Verfahrens, die
in jus vocatio, das vadimonium, die obrigkeitliche Ladung, das Verfahren
gegen den indefensus, die Verhandlung in jure vor Vollziehung der legis
actio, die Frage, ob es beim lege agere exceptiones gegeben habe —
welche der Verfasser verneint, weil „das materielle Recht damals die innere
Beschaffenheit des Willensmoments noch weniger berücksichtigte und die Tendenz
des alten Proceßrechts dahin ging, in jedem einzelnen Proceffe möglichst nur
Einen Anspruch, Eine Frage zur Verhandlung kommen zu lassen," — ferner
die Stellvertretung, Fristen und Termine im alten Processe und das Verfahren
in judicio. __ Hopf.

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