Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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sich nicht selbst das Eigenthum zuzuschreiben, um das des Klägers
zu verletzen. Zwischen einem natürlichen und juristischen Besitzer
hat der Käger die Wahl; nur darf der Detentor nicht im Namen
des Klägers besitzen.
Puchta, Cursus der Institut. II. S. 589 f.: — — Der
Grundsatz, daß der natürliche Besitzer belangt werden kann, ist auch
durch das Gesetz Constantin's (I. 2 0. ubi in rem actio 3, 19)
nicht aufgehoben worden, nach welchem bei unbeweglichen Sachen
der belangte Detentor den anzeigen soll, in desien Namen er besitzt,
damit dieser herbeigezogen werde, um statt seiner die angestellte Klage
bei demselben Gericht zu übernehmen. Denn die Klage wird nicht
zurückgewiesen, es tritt nur der für die definitive Beendigung des
Rechtsstreites geeignete Vertheidiger in den erhobenen Prozeß ein.*)
Siebenhaar in den Annalen des O.-A.-G. zu Dresden N.
F. IV. S. 12: Der Beklagte bei der rei vindicatio ist der Be-
sitzer der Sache und es kann nur dieser der Beklagte sein, weil sich
der Eigenthümer durch die r. v. an die ihm eigenthümlich gehörige
Sache heranzieht und ein Hindernis; hiergegen nur denkbar ist, wenn
sich die Sache in dem Besitze eines Andern befindet. Man würde
sich unter dem Besitze des Beklagten bei der r. v. eine völlig un-
richtige Vorstellung machen, wenn man in demselben einen Grund
der Verpflichtung zur Herausgabe der vindicirten Sache erblicken
wollte. Von einer obligatio kann bei einer actio in rem nicht
die Rede sein. Der Besitz des Beklagten ist weiter nichts, als die
thatsächliche Veranlassung, warum der Kläger die ihm eigenthümlich
gehörige Sache einer bestimmten Person gegenüber verfolgt; ein
obligatorischer Vertrag zwischen dem Kläger und dem Beklagten wird
dazu nicht erfordert; die r. v. ist begründet, wenn, nicht weil
der Dritte besitzt. Bekanntlich giebt es eine doppelte Art des Be-
sitzes, nämlich erstens eine Jnnehabung mit dem Willen, die Sache
als die seinige zu haben (Besitz im technischen Sinne des Wortes)
und zweitens eine Jnnehabung ohne diesen Willen (Detention).
Streng genommen kann die r. v. bloß gegen den Besitzer in der
ersteren Bedeutung des Wortes angestellt werden, weil ein Streit
über das Eigenthum nur denkbar ist, wenn der Beklagte sich den

*) Vgl. Vinnii com. in § 1 J. 4, 6 Nr. 17:-Possessionem autem hic
latius accipimus, ut eo verbo etiam contineantur nudi detentores, id est
qui corpore tantum rem tenentes ejus restituendi facultatem habent: quales
sunt, apud quos res deposita, aut quibus commodata est, aut qui con-
duxerunt. Sed nominato auctore non coguntur, qui alieno nomine in
possessione sunt, actionem excipere.
Brunnemann, com. in Cod. ad 1. 2 ubi in rem act. 3, 19 Nr. 1: Rei
vindicatio non tantum datur contra eum, qui suo, sed etiam intenditur
contra eum, qui alterius nomine possidet vel detinet, si tamen verum
possessorem, cujus nomine possidet, non nominet, et ita suo nomine cum
actore litem contestetur, habetur pro eo, ac si liti obtulisset.

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