Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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legitim, ad caus. sich schützen könne. In Betracht des Verhält-
nisses unter b) legt man dem Beklagten einen positiven, an sich
widerrechtlichen, Zwang auf, und ist es daher weniger, als man es
gewöhnlich darzuftellen sucht, eine Wohlthat für den Beklagten,
besonders wenn man die nominatio als eine wirkliche exceptio
betrachtete. *)
Diese Ansicht widerlegt sich schon durch die Hinweisung auf die,
wie oben bemerkt, von der i. 2 6. 3, 19 unberührt gebliebenen Grund-
sätze des römischen Rechts über die Zulässigkeit der Eigenthumsklage
gegen jeden Besitzer oder Inhaber der Sache. Diese Klage kann
bekanntlich gegen jeden Besitzer, er mag in eigenem oder in fremdem
Namen, wie z. B. der Pächter, Depositar, besitzen, angestellt werden.
Ulpian. 1. 9 D. de rei vind. (6, 1): Officium autem
judicis in hac actione in hoc erit, ut judex inspiciat, an
reus possideat. Nec ad rem pertinebit, ex qua causa
possideat; ubi enim probavi rem meam esse, necesse habe-
bit possessor restituere, qui non objecit aliquam exceptionem.
Quidam tamen, ut Pegasus, eam solam possessionem putaverunt
hanc actionem complecti, quae locum habet in interdicto
Uti possidetis vel Utrubi. Denique ait, ab eo, apud quem
deposita est vel commodata, vel qui conduxerit, aut qui
legatorum servandorum causa, vel dotis ventrisve nomine in
possessione esset, vel cui damni infecti nomine non cavebatur,
quia hi omnes non possident, vindicari non posse. Puto
autem, ab omnibus, qui tenent et habent restituendi fa-
cultatem, peti posse.
Puchta, Vorlesungen I. S. 337: Der Beklagte bei der rei
vindicatio ist der Besitzer. Die causa, auf die er besitzt, hat
keinen Einfluß auf die Uebernahme der Klage, denn schon das
Faktum des Besitzes ist Verletzung des Eigenthums. Sie kann nur
etwa Grund einer exceptio sein. Es ist daher an sich gleichgültig,
ob der Beklagte juristischer oder natürlicher Besitzer ist. Er braucht

*) Vgl. G e r st e r d i n g, Darstellung der Lehre vom Eigenthum (Greifswald, 1817)
S. 320: Es ist die Benennung des Auctors, nach unserm Ermessen, für
keine wahre Einrede zu halten, sondern für eine Bestreitung dessen, was zur
Begründung der Klage mit gehört, nämlich, daß der Beklagte besitze, im
ächten Sinne des Worts.
v. Arnold, die Umgestaltung des Civilprozesses in Deutschland (Nürn-
berg, 1863) S. 95: Die Benennung des rechten Besitzers könnte man eine
qualifizirte Einrede des Unrechten Verklagten nennen, denn sie unterscheidet
sich von dieser nur dadurch, daß derjenige, welcher als Besitzer einer Sache
verklagt wird, nicht bloß widerspricht, daß er s e l b st Besitzer, sondern zugleich
angibt, wer der eigentliche Besitzer sei, gegen welchen also die Klage zu
richten ist. Vgl. dagegen v. Bayer, Vorträge über den gem. Civilproz.
§ 48. Wetzell, System des ordentl. Civilproz. § 7.

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