Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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erfolgen können. Der Gläubiger mag selbst dafür sorgen, daß der
Wechsel zur Aushändigung an den Schuldner bereit liegt, wenn dieser
bei Antritt der Execution die Zahlung offerirt, oder seine Forderung
aus dem Auctionserlöse berichtigt werden soll. Dies wird keine Schwie-
rigkeiten haben, da der Gläubiger — jedenfalls auf seinen Antrag —
von dem Zeitpunkt der Executionsvollstreckung durch den Executor in
Kenntniß zu setzen ist.
Gesetzlich nothwendig ist daher die Beifügung des Klagewechsels
zur Begründung des Executionsantrages nicht. Es kann aber auch
nicht einmal die Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens ohne Weiteres an-
erkannt werden. Beachtenswerthe praktische Bedenken sprechen vielmehr
dagegen.
Auch bei dem promptesten Geschäftsgänge wird zwischen dem An-
träge und der Vollstreckung der Execution ein Zeitraum von einigen
Tagen liegen. Der Schuldner, welcher durch seine wechselmäßige Ver-
urtheilung wissen muß, daß ihm täglich Execution droht, beeilt sich,
um diese und die damit verbundenen weiteren Kosten abzuwenden, er-
fahrungsmäßig in vielen Fällen gerade jetzt, die versäumte Zahlung zu
leisten. Hat nun der Gläubiger den Wechsel behufs Stellung des
Executionsantrages zu den Gerichtsacten überreicht, so wird dadurch die
in der Zwischenzeit offerirte Zahlung verzögert, weil erst die Rückgabe
des Wechsels beantragt werden muß, um dem Art. 39 der W.-O.
Genüge leisten zu können.
Auch aus andern Gründen ist es für den Gläubiger wünschens-
werth, beständig den Wechsel zur Verfügung zu haben. Er findet es viel-
leicht in seinem Interesse, nach Verurtheilung dieses Schuldners bei
dem zweifelhaften Erfolge der Execution andere aus dem Wechsel mit
verpflichtete Personen schon jetzt im Wege der Klage in Anspruch zu
nehmen; zur Geltendmachung solcher Rechte bedarf er des Wechsels.
Endlich kann es dem Gläubiger nicht unbedenklich erscheinen, eine
so wichtige Urkunde, deren Werth in vielen Fällen die Caution des
Executors erheblich übersteigt, demselben anzuvertrauen. Der Wechsel
trägt vielleicht ein Blanco-Jndossament, das jeden Inhaber zur Geltend-
machung der Wechselforderung legitimirt; die Möglichkeit des Miß-
brauchs eines solchen Werthpapiers kann nicht in Abrede gestellt werden,
und der Gläubiger nicht gezwungen sein, sich einer solchen Gefahr
auszusetzen.

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