Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

155

standen, nur dürftig. Koch, der Sohn eines armen Topfstrickers und Tage-
löhners, im väterlichen Haushalte als Gänse- und Ziegenhirt beschäftigt und
nebenbei die Stadtschule besuchend, in der er durch seinen rastlosen, schon
beim Viehhüten lesend und schreibend bewiesenen Lerneifer bald alle Mitschüler
überflügelte, entschied sich, als er die Schule verlaffen hatte, für das Schneider-
handwerk als seinen Lebensberuf, wußte aber mit dem Erlernen dieses Hand-
werks seine Beschäftigung als Abschreiber bei dem Hof- und Stadtrichter in
seiner Vaterstadt zu verbinden und fand demnächst ein weiteres Fortkommen
bei einem am damaligen Oberlandesgericht zu Soldin angestellten Kanzlisten,
unter dessen Leitung Koch in den Subalterndienst eingetreten zu sein scheint.
Mit der Uebersiedelung des Oberlandesgerichts nach Frankfurt a. O. kam
Koch als Amtsaktuar nach Pyrehne bei Landsberg a. W. und von hieraus
bald als Justizaktuar an das Patrimonialgericht Reppen. Nachdem er bereits
zwei Jahre lang verheirathet war, legte er im Jahre 1823 seine Stelle
nieder und beschloß, die höhere Laufbahn einzuschlagen. Nach bestandener
Maturitätsprüfung ftudirte er bis zum Jahre 1825 in Berlin und genoß
hier auch seine praktische Ausbildung als Auscultator und Referendar. Von
diesem Zeitpunkte an beginnt seine literarische Thätigkeit, deren weitere Ent-
wickelung das Schriftchen in gedrängter Uebersicht, unter Hervorhebung der
besonderen Vorzüge seiner schriftstellerischen Leistungen, uns vorführt. Daß
dabei ein umfangreiches Werk („Das Preußische Erbrecht aus dem gemeinen
deutschen Rechte entwickelt von I)r. C. F. Koch," Berlin, 1866) ganz mit
Stillschweigen übergangen ist, wird Jeder billigen, der dieses Werk gelesen hat.
Mit vollem Recht sagt der Verfasser am Schlüsse über die Verdienste
Koch's um die preußische Rechtswissenschaft (S. 21, 22):
„Seiner ganzen Richtung nach gehört Koch wesentlich der historischen
Schule an. Auf dieser Grundlage beruhen seine wissenschaftlichen Bestrebungen.
Ihm vor Allen ist es zu danken, daß der große Fortschritt in der Auffassung
vom Wesen des Rechts wie in der Methode, den wir Savigny schulden, auch
für unser vaterländisches Recht fruchtbar geworden ist.
Während seiner beinah fünfzigjährigen literarischen Thätigkeit hat er
unermüdlich daran gearbeitet, den historischen Zusammenhang zwischen dem
preußischen und dem gemeinen Recht darzulegen und auf diesem Wege eine
wissenschaftliche Behandlung des ersteren anzubahnen. Seinem Beruf nach
Practiker, kannte er keinen Gegensatz zwischen der Theorie und der Rechts-
anwendung; er hat oft genug auf die innige Verbindung hingewiesen, die
zwischen beiden besteht, und der ganze Inhalt seiner Schriften war dazu be-
stimmt, das Bewußtsein hiervon unter den preußischen Juristen lebendig zu
erhalten. Im Hinblick auf die großen Verdienste, die er sich dadurch erworben,
verschwinden die Mängel, die seinen Arbeiten anhaften, wie bei der Be-
trachtung des Mannes selbst und seines thätigen, vom höheren Streben er-
füllten Lebens die Unvollkommenheiten seiner Persönlichkeit in den Hintergrund
treten. Die Gesetzgebung und die Wissenschaft sind bereits zum Theil über
Koch hinausgegangen und unzweifelhaft wird dies bald in noch viel weiterem
Umfang geschehen. Immer aber wird seinem Namen die dankbare Erinnerung
gesichert sein, daß er mehr als irgend Jemand vor ihm dazu beigetragen hat,
die Erkenntniß des preußischen Rechtes zu fördern." vr. I. A. Gruchot.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer