Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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Die Nichtigkeitsbeschwerde wirft dem Appellationsrichter nur vor, aus
den feststehenden Thatsachen mit Unrecht eine Zahlung konstruirt zu haben.
Diese Beschwerde ist haltlos.
Der Appellationsrichter verwirft die Annahme, daß schon durch
die Hingabe eines Wechsels zur Tilgung einer Verbindlichkeit die letztere
getilgt werde. Er findet in solcher Hingabe weder eine eigentliche „Zah-
lung," welche voraussetzen würde, daß Wechsel den Charakter des Geldes
tragen, noch eine (unbedingte) Novation, noch eine (unbedingte) An-
gabe an Zahlungsstatt, noch endlich einen Compensationsver-
trag. Er kann somit weder gegen die §§ 10, 11, 28, noch gegen die
§§ 235, 451 Tit. 16 Th. I Allg. Land-Rechts verstoßen haben. Viel-
mehr geht der Appellationsrichter, ganz entsprechend der in neuerer Zeit
überwiegend in Theorie und Praxis vertretenen Ansicht:
Thöl, Wechselrecht § 323. V olkmar und Löwy, Wechsel-
ordnung S. 414 f. Hartmann, Wechselrecht S. 125 f.
Renaud, Wechselrecht § 94. O. Wächter, Wechselrecht
S. 109—111. Goldschmidt, Handbuch des Handelsrechts
S. 1196, 1223. Förster, Theorie und Praxis des Preuß.
Privatrechts I. § 97 Note 2. Salpius, Novation und De-
legation S. 447 f. Bien er, Abhandlungen aus dem Gebiet
der Rechtsgeschichte S. 109, 110, vgl. mit wechselrechtl. Ab-
handlungen S. 308 f., 413, 414, 426. Siebenhaar, Archiv
für Wechselrecht I. S. 165 s. XVIII. S. 30. Stern ebendas.
VI. S. 369. Fick ebendas. VII. S. 129 Note 7. Just
ebendas. XVIII. S. 342 s. Schauberg, Zeitschrift für Han-
delsrecht XI, inßbes. S. 275 f. Lesse, Centralorgan II. S. 131.
Entscheidungen des Reichsoberhandelsgerichts IV. S. 374.' Bor-
chardt, deutsche Wechselordnung Zus. 650 s. auch Seuffert,
Archiv XXI. Nr. 118. Centralorgan. N. F. IV. S. 278, V.
S. 252, 396 u. a. m.
davon uns, daß die Befreiung des Wechselgebers von derjenigen Schuld,
zu deren Deckung der Wechsel bestimmt ist, an sich nicht schon durch die
bloße Hingabe und Annahme des Wechsels erfolgt, ja nicht einmal durch
die bloße Begebung des Wechsels und Empfang der Wechselvaluta,
sofern er zur Herausgabe der letzteren im Regreßwege wieder genöthigt
wird. Wohl aber werde der Schuldner dadurch befreit, daß der Wechsel-
nehmer bei Wiederbegebung des Wechsels die Valuta empfängt und für
sich behalten darf, somit im Falle der Wechselpräjudicirung. Die Nichtig-
keitsbeschwerde rügt: durch die Zahlung der Begebungsvaluta werde die
Waarenschuld nicht getilgt, weil der Indossatar die Waarenschuld nicht
Beitrüge, XVII. (N. F. I.) Jahrg. 1. Heft. 6

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