Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 26 = 3.F. Jg. 6 (1882))

596

Sukzession in den Besitz.

dingliche (Nießbrauch) umfaßt. Wollte man sich dem gegenüber auf
die oben zitirten §§ 81, 86 berufen, welche für den Erwerb der
negativen und Untersagungsrechte Ausübung der Servitut verlan-
gen, so würde man übersehen, daß diese Paragraphen von der Kon-
stituirung des Rechtsbesitzes, also dessen originären Erwerbung han-
deln, während § 77 über den derivativen Erwerb Bestimmung trifft.
Letzteres wird ganz klar, wenn man die vom Verlust des
Rechtsbesitzes handelnden §§ 126—129 ib. betrachtet. Nachdem in
den §§ 126—128 bestimmt worden, wodurch der Besitz eines affir-
mativen, eines negativen und eines Untersagungsrechts verloren
geht, sagt § 129:
In sofern durch die Uebergabe von Sachen zugleich Rechte an
einen Anderen übertragen worden (§ 77), in sofern wird da-
durch auch der Besitz des vorigen Besitzers aufgegeben.
Die Verweisung auf § 77 zeigt deutlich, daß es sich bei diesem
um deriativen Besitzerwerb an allen Rechten handelt.
Wir sehen hier also wieder, daß das Recht im Fall der Ueber-
tragung des Besitzes nicht die Erfordernisse des originären Besitz-
erwerbs verlangt, m. a. W., daß es eine Sukzession in den Besitz
anerkennt.
Die eheliche Gütergemeinschaft des prenßischen Rechts besteht
in einem modifizirten Mileigenthum der Ehegatten (Eigenthum im
weiteren, landrechtlichen Sinne gebraucht). Der Besitz, welchen ein
Ehegatte bisher ausschließlich hatte, wird Mitbesitz beider Ehegatten;
dies folgt aus A.L.R. II. 1 § 363.
Die Gemeinschaft der Güter erstreckt sich über Alles, was der
freien Veräußerung eines jeden der beiden Ehegatten unterworfen ist,
denn der Besitz bildet unzweifelhaft ein geeignetes Objekt für Ver-
äußerungen.^)
Ebenso nun, wie es in den Pandekten heißt
In societate omnium bonorum omnes res quae coeuntium sunt
continuo communicantur (1. 1 § 1 D. pro soc. 17,2),
so bestimmt auch das Landrecht in Betreff des Entstehungsmodus
der Gütergemeinschaft weiter nichts, als:
Die Gemeinschaft der Güter nimmt unmittelbar nach vollzogener
Trauung ihren Anfang (§ 361 A.L.R. II. 1),

3B) Kauf: 1. 34 § 4 D. de contr. empt. 18,1, 1. 28 D. poss.; Schenkung:
1. 46 D. de don. i. vir. et ux. 24,1.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer