Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

17. Literatur

17.1. Kuhlenbeck, Ludwig, Dr. jur., Rechtsanwalt in Jena: Von den Pandekten zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Eine dogmatische Einführung in das Studium des bürgerlichen Rechts. Erster Theil

Literatur.

59.
Bon -e« Pandekten zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Eine dogmatische Ein-
führung in das Studium des bürgerlichen Rechts von vr. zur. Ludwig
Kuhlenbeck, Rechtsanwalt in Jena. Erster Theil. Berlin 1898. Carl
Heymanns Verlag. (M. 12,—.)
Der Titel wie der der Arbeit vorangesetzte Wahlspruch: „Durch
das römische Recht über dasselbe hinaus" kennzeichnen die romanistische
Tendenz. Bei Ermittelung des Rechts des B.G.B. leitet ihn die Ueber-
zeugung, daß die wissenschaftliche Quintessenz des Pandektenrechts ein
eia aei ist, und daß die bewußte Kontinuität der Geistesarbeit
den Lebensnerv jedes wahren wissenschaftlichen und praktischen Fort-
schrittes bildet, er erklärt sich deshalb auch als Gegner Derjenigen, die
das B.G.B. aus sich selber oder doch höchstens aus den Materialien
(„dem dem B.G.B. voraufliegenden papierenen Arbeitsabfall") zu
erklären suchen. Der Vers, bezweckt, „in einer ungezwungenen, wenn
auch nicht systemlosen Reihenfolge einzelner Aufsätze das bisherige
gemeine Pandektenrecht mit dem neuen bürgerlichen Recht zu ver-
gleichen, die alten unveränderten Begriffe und Normen in ihrer neuen
Form wieder aufzusuchen, die neuen Rechtsfätze dogmatisch und dog-
mengefchichtlich den alten anzugliedern, eventuell auch kritisch das neue
an dem alten zu messen."
Das vorliegende I. Buch enthält den Allgemeinen Theil und zwar
behandelt es in 6 Abschnitten: Die Rechtsnormen des bürgerlichen
Rechts, Allgemeine Theorie der Rechte, Juristische Personen, die Sachen,
die Entstehung und Endigung der Rechte, Ausübung und Schutz der Rechte.
Der Verf. beginnt regelmäßig die Darstellung der einzelnen
Lehren mit einer eingehenden Darlegung des römischen Rechts und
zwar unter reichlicher Bezugnahme auf das einschlägige Quellenmaterial,
zeigt dessen Fortentwickelung und knüpft daran die Erörterung der
Bestimmungen des B.G.B., wobei er Zweifel und Lücken desselben
aus den „wissenschaftlich und moralisch gerechtfertigten Grundsätzen des
Pandektenrechts" zu entscheiden bez. zu ergänzen ersucht. Die Arbeit
zeichnet sich durch Wissenschaftlichkeit, Klarheit der Darstellung und
Selbständigkeit des Urtheils aus. Als einen besonderen Vorzug
möchte ich bezeichnen, daß der Verf. den Bestimmungen des B.G.B.
überall kritisch gegenüber tritt und in dieser Hinsicht halte ich vor
Allem seine Ausführungen zu § 123 B.G.B. in seinem, „den absoluten
und kompulsiven Zwang" behandelnden § 20 für zutreffend, in welchem
Paragraphen übrigens der Verf. auch die Bedeutung des sog. Hypno-
tismus für das bürgerliche Recht bespricht.
Größere Genauigkeit im Ausdruck wäre wünschenswerth S. 315,

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