Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

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Haftung der Erben für Nachlaßverbindlichkeiten.

nur, wenn Konkurs eröffnet ist, oder wenn die dazu erforderliche
Waffe fehlt, die Zwangsvollstreckung in sein Vermögen abwehren.
Ein nach der Konkurseröffnung gegen ihn erhobener Anspruch wäre
unzulässig, wenn er nicht das Recht auf Haftungsbeschränkung ein-
gebüßt hat. Der vorher gegen ihn erhobene Anspruch wird wie
wenn er Alleinerbe ist, durch die Konkurseröffnung unterbrochen.
Es gilt überhaupt für ihn Alles, was im ersten Abschnitt von der
Haftung des alleinstehenden Erben gesagt ist.
6. Der Nachlaßgläubiger kann die Gesammtverbindlichkeit der
einzelnen Miterben gegen jeden von ihnen in besonderen Prozessen
geltend machen. Die Anhängigkeit eines dieser Prozesse hindert
nicht die Anstrengung eines neuen Prozesses gegen einen anderen
Miterben. Auch wenn gegen die gesammten Miterben aus Leistung
s aus dem ungetheilten Nachlaß Klage erhoben worden, ist die Klage
; gegen die einzelnen Miterben aus ihrer Gesammthaftung nicht aus-
geschlossen. Ebenso kann die Klage auf Leistung aus dem Nachlaß
erhoben werden, wenn noch nicht alle Miterben auf die Klage aus
ihrer Haftung als Gesammtschuldner verurtheilt sind. Ist dies
aber der Fall, so wird die Klage ausgeschlossen, da auch auf Grund
der Verurtheilung aller Erben als Gesammtschuldner die Zwangs-
vollstreckung in den Nachlaß zulässig ist. Als weitere Schranke für
die Klagenmehrheit läßt sich vielleicht auch noch die aufstellen, daß,
wenn die Klage gegen die Gesammtheit der Erben als unbegründet
abgewiesen ist, dadurch auch die Ansprüche gegen die einzelnen Mit-
erben aus ihrer Gesammthaftung beseitigt sind und daß für erstere
kein Raum mehr ist, wenn vorher die Klage aus der Gesammt-
haftung auch nur zu Gunsten eines der Miterben wegen Unbegründet-
heit der Nachlaßverbindlichkeit abgewiesen wird. Ob aber diese
Schranken als solche wirklich anzuerkennen sind, läßt sich bezweifeln
und soll hier nicht näher untersucht werden.
Auf alle Fälle, — und nur hierauf sollten die vorstehenden
Bemerkungen hinausführen, — ist wegen derselben Nachlaßverbind-
lichkeit bei einer Mehrheit von Miterben eine größere Anzahl von
Prozessen möglich. In jedem dieser Prozesse ist als Streitgegen-
stand der volle Forderungsbetrag anzusehen. Der Miterbe, welcher
das Recht auf Beschränkung seiner Haftung nicht verwirken will, wird
genöthigt sein, bei einem Anspruch, den er als Nachlaßforderung
anerkennen möchte, in kontradiktorische Verhandlung einzutreten, um
den Vorbehalt der Haftungsbeschränkung zu erwirken. Als zulässig

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