Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

824 Haftung der Erben für Nachlaßverbindlichkeiten.
kann. Mt der Eröffnung des Nachlaßkonkurses oder der Nachlaß-
Verwaltung aber reicht diese Aeußerung seines Beschränkungsrechts
zu seinem Schutz nicht aus. Sein Recht, die Gläubiger auf seinen
Nachlaßantheil zu verweisen, muß sich also dahin erweitern, daß
er sie auf den unter der Verfügungsmacht eines Verwalters stehenden
Nachlaß selbst verweisen kann. Die Konsequenz dieser Rechtslage
scheint zu fordern, daß nicht bloß die Zwangsvollstreckung in den
Antheil am Nachlaß für den Nachlaßgläubiger ausgeschlossen und
jede Verurtheilung des einzelnen beschränkt haftenden Miterben
als Gesammtschuldners der Rachlaßverbindlichkeit für die Dauer
des Verfahrens unzulässig sein muß, sondern auch, daß anhängige
Prozesse, in denen die Gesammthaftung für eine Nachlaßschuld
gegen die einzelnen Miterben geltend gemacht ist, soweit nicht da-
bei Verlust des Rechts auf Haftungsbeschränkung behauptet wird,
durch Konkurseröffnung über den Nachlaß unterbrochen werden, und
daß solche Prozesse im Falle der Einleitung der Nachlaßverwaltung
auf den Nachlaßverwalter übergehen. Das ist indessen nicht mit den
Prozeßgesetzen in Einklang zu bringen, und es zeigt sich nach meiner
Ueberzeugung hier, wie die gesetzgeberische Erfindung einer soli-
darischen Haftung der Miterben vor getheilter Erbschaft mit zu-
lässiger Vollstreckung in den Nachlaßantheil als solchen ungesund
ist und in kaum lösbare Rechtskonflikte oder Inkonsequenzen hinein
führt, wie sie — wegen der für das praktische Leben äußerst gering-
fügigen Bedeutung der Zwangsvollstreckung in den Erbantheil —
neben der Möglichkeit der Verfolgung der Erbengesammtheit auf
Leistung aus dem Nachlaß entbehrlich gewesen wäre. Nur nach einer
Seite soll der Konflikt durch ein Beispiel erläutert werden. Vier
Miterben sind jeder als Gesammtschuldner aus Rückzahlung eines
dem Erblasser gegebenen Darlehns von 1000 M. verklagt, jeder in
seinem allgemeinen Gerichtsstand; A in Berlin, B in München, C in
Leipzig, D in Hamburg. Als die Nachlaßverwaltung eingeleitet ist,
liegen die vier Prozesse so, daß in allen rechtskräftige bedingte End-
urtheile ergangen sind; A soll schwören, daß er von der Darlehns-
hingabe nichts wisse, dem B gegenüber ist der Gläubiger X zur
Ableistung des zurückgeschobenen Eides über die Darlehnshingabe
verstattet, 6 ist zum Glaubenseid über eine Zahlung verstattet, die-
selbe Zahlung soll X dem v gegenüber eidlich ableugnen. In jedem
der Prozesse ist unter einer verschiedenen Bedingung der einzelne
Miterbe zur Leistung als Gesammtschuldner unter dem Vor-

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