Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

Das Recht zum Gebrauch eines Namens nach dem B.G.B. 3
Namen. In dieser weiteren Bedeutung des Wortes hat daher einen
Namen, was nur immer menschlicher Erkenntniß zugänglich ist, ins-
besondere sämmtliche sinnlich wahrnehmbaren Dinge: die Bezeich-
nungen Mensch, Baum, Fluß, Berg, endlich die Thiernamen muß
man als Namen in jenem allgemeineren Sinne ansprechen, und zwar
haben sie sämmtlich das gemeinsam, daß sie umfangreichere Begriffe,
bestimmte Gattungen kennzeichnen sollen. Es giebt indeß viele Dinge,
bei denen das unabweisbare Bedürfniß vorhanden ist, sie aus der
Gattung und überhaupt aus einer größeren Menge heraus zu exi-
miren, bei ihnen wurde deshalb auch eine von der generellen ver-
schiedene, spezielle Benennung nothwendig. Zu den Gegenständen
der zuletzt erwähnten Art gehören übrigens nicht allein solche, deren
größere und allgemeinere Wichtigkeit für einen weiteren Kreis von
Personen von selbst das Vorhandensein ihrer Sonderbezeichnung er-
klärt und rechtfertigt, wie z. B. Fluß-, Gebirge-, Berg-, Städte- und
Länder-Namen; vielmehr liebt es der Mensch, mit Namen zu ver-
sehen auch solche Dinge, welche überhaupt von geringerer Bedeutung
sind oder aber doch nur ein individuelles und kein allgemeines In-
teresse haben. So pstegte man in der Vorzeit insbesondere den
Waffen Namen zu geben (Noihung, Balmung u. s. w.), so haben
auch heute noch vor Allem die Hausthiere Namen, welche — wie
nicht übersehen werden darf — nicht allein von ihren Besitzern ge-
geben, sondern mehr oder weniger selbst von dritten Personen an-
erkannt werden; man denke nur an die Bezeichnung edler Pferde
und Hunde, über die sogar Stammbäume existiren.^)
Unter diesen Umständen ist es erklärlich und sogar selbstver-
ständlich, daß der Mensch von jeher nach Mitteln gesucht hat, einen
jeden seiner mit ihm lebenden Volks- und Rechts-Genossen in einer
Weise zu bezeichnen, welche ihn von allen Uebrigen unterscheidet.
Ebenso darf es nicht Wunder nehmen, daß er dabei dieselbe Methode
benutzte, welche wir bei der oben zuletzt erwähnten Kategorie von
Sachnamen kennen gelernt haben. Denn beiden Fällen liegt das
Bestreben zu Grunde einen Ausdruck zu schaffen, durch welchen im
Gegensatz vom Generellen etwas Spezielles, sei es Person oder Sache,
3) Auch seinen Göttern giebt der Mensch — abgesehen von schmückenden
Beiworten — Namen im regulären Sinne des Wortes; monotheistische Religio-
nen können sich mit einem Gattungsnamen begnügen, polytheistische bedürfen
spezieller Sondernamen für jeden einzelnen Gott. Sogar eine Art Rechtsschutz
läßt sich konstatiren, siehe das zweite Gebot und § 166 Str.G.B.

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