Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 25 = 3.F. Jg. 5 (1881))

Ernst Im. Bekker, Recht des Besitzes.

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9. Animus insbesondere.
Bekker sucht die Besitzliteratur durch die Annahme eines doppelten
Willens beim Besitzerwerbe zu bereichern, der eine Wille soll dem oorxus
immanent sein, weil oorxus für sich allein Handlung sei, der eigentliche
animus soll ein zweiter, von dem in der Corpushandlung selber steckenden
wohl zu scheidender innerer Vorgang sein. S. 160.
Schon der angegebene Grund dieser Annahme ist bedenklich, da das
eorpus nicht nothwendig Handlung ist, aber auch sonst halten wir diese
Zweiwillentheorie für wenig glücklich und am wenigsten für römisch. Was
soll der Okkupant oder derjenige, welcher den Besitz in Folge der Tradition
eorpore 6t animo erwirbt, denn noch anderes gehabt haben, als den
Willen Besitzer zu werden und zu sein? Hat er ihn nicht gehabt, so er-
wirbt er eben keinen Besitz. Dem Verfasser haben vielleicht die oben
(Nr. 8) von uns dargestellten Fälle vorgeschwebt, wo das eorxus über-
haupt nicht von dem Willen des Erwerbers begleitet wird, sondern erst
nachträglich hinzukommt oder vorher erklärt ist, jedoch ist die Idee viel
zu wenig ausgeführt, um ein endgiltiges Urtheil über sie zu gewinnen.
Ob man von einem Besitzwillen spricht, oder wie der Verfaster will,
von einer „Absicht" (S. 161), scheint uns ziemlich unerheblich, auch ist eS
selbstverständlich, daß beim Erwerb der Wille auf den Erwerb gerichtet
sein muß. Dies dürften auch Rand« und Windscheid nicht verkannt haben,
wenngleich sie den Besitzwillen dahin umschreiben: „Wille, die Sache wie
eigen zu behandeln, an der Sache für sich Eigenthum auszuüben." Daß
daneben die Ausübung des Besitzes auch Willen verlangt, wird wohl nicht
bezweifelt werden. Daß, wer einen Stein nimmt, nach Früchten zu werfen,
wer einen Stock ergreift oder sonst irgend eine Waffe, um sich gegen einen
ihn Plötzlich attakirenden Hund oder ein noch schlimmeres Thier zu wehren,
auch der Dieb, der die Leiter im Hinterhause nimmt, um ins Vorderhaus
einzusteigen, nicht juristische Besitzer von Stein, Stock und Leiter werden,
will einleuchten, denn sie haben eben nicht den Besitzwillen, den Willen
ausschließlich auf die Sache einzuwirken.
Viel wichtiger scheint uns die Frage, ob der Besttzwille als animus
clomini zu bestimmen ist. In dieser Beziehung müssen wir es der herrschen-
den Meinung und auch Bekker gegenüber wiederholt betonen, daß eS un-
logisch ist, für den Erwerb des unvollkommenen Rechts zu verlangen, daß
sich der Wille auf den Erwerb des vollkommenen richte, daß der bösgläubige
Okkupant, der Dieb und Räuber nicht den Willen haben können, Eigen-
thümer zu sein, sondern daß sie den Willen haben, die Sache aus-
schließlich inne zu haben und körperlich auf sie einzuwirke», obgleich sie
nicht Eigenthümer sind, daß gerade hieraus das Delikt resultirt, wegen
dessen sie bestraft werden.
Der Besitzwille ist nichts als der Wille, ausschließlich und vollständig
auf die Sache eiuzuwirken, er deckt sich mit dem Eigenthumswillen nur
im Umfange der körperlichen Herrschaft, auf welche sie beide ^richtet
sind, und daher mag man immerhin von einem Besitze als Eigenthümer

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