Full text: Volume (Bd. 1 (1800))

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i- v. Almenduigen

Staat eben so viel als von dem Schmerze des
Verläumdeten zu fürchten; der für die Moral
so wichtige Unterschied zwischen beyden fallt
für die Gesetzgebung gänzlich hinweg.
r. Um die bona oder mala fides desjenigen,
der den guten Namen seines Mitbürgers an-
greift, kann der Staat sich nicht bekümmern.
Wer öffentlich für einen moralischen Schurken
mit oder ohneBezichunq auf unwahre oder ein-
seitig dargestettte Thatsachcn gescholten ibird,
mag er sich durch den Borwurf getroffen füh-
len oder nicht, wird in gleichem Grade gegen
seinen Gegner erbittert, und blos um die Un-
terdrückung dieser Erbitterung ist es ja dem
Staat zu thun. Wer unbesonnen genug ist,
auch bey der vollständigsten Ueberzeugung, daß
er dem Herabgewürdigten nicht zu viel thue,
der Absicht des Staats zuwider einen Schmerz,
den jener nicht gereizt wissen will, hervorzuru-
fen , der muß für die Folgen seiner Unbeson-
nenheit büßen. Durch die exceptio veritati«
wird er zwar vor dem Richterstuhl der Moral
gerechtfertigt, allein nicht vor dem der Staats-
polizei).
3.' Dagegen ist die Absicht den beleidigten
Mitbürger um seinen guten Namen zu bringen,
der sogenannte animus injuriandi, so weit er
aus Worten und Handlungen vernünftig ge-
schlossen werden kann, die unerläßliche Bedin-
gung, ohne welche keine Injurie möglich ist;
denn grade diese Absicht ,st es, welche den Be-
schimpften kränkt; grade sie macht seinen
Schmerz gefährlich; wo sie offenbar nicht vor-
handen ist, da kann zwar die Eigenliebe deS
Gekränkten ihn zu dem Wahn verleiten, daß er
an seinem guten Namen gelitten habe; dies
kann

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