Full text: Volume (Bd. 1 (1800))

64 i- b. Almendingea
durch erdichtete oder wahre Tbatsachen seinen
guten Namen vcrlohren hat. Seine Erbitte-
rung bleibt die nemliche; um sie unschädlich zu
machen, muß der Staat gegen Verläumdung
und Schmähung Geseke geben.
Hier tritt demnach' der eigne Fall ein, daß
Strafgesetze nicht eigentlich gegen den,enigen
würken müssen, der Böses thut, sondern bloS
für denjenigen , der Böses leidet. Damit sein
Schmerz ihn nicht zur Eigenmacht und zur wi-
derrechtlichen Verletzung hinreisse, muß die
Gesetzgebungspolizey von diesem Schmerz No-
tiz nehmen.
Hierzu stehen der Gesetzgebung zwey Wege
offen; sie kann dahin würfen, daß der gefähr-
liche Schmerz des Beschimpften selbst aufhöre,
oder sie kann den Ausbruch desselben durch die
Androhung größerer sinnlicher Uebel verhüten.
Für letzteres hat die Rechtsverletzungen verbie-
tende Pönalgesetzgebung ohnehin schon gesorgt,
für erfteres sorgt die Gesetzgebung, indem sie
Schmähung oder Verläumdung, in ihren gcö-
bern Ausbrüchen für ein positives Verbrechen
erklärt, beyde mit der Benennung einer ilnzurie
stempelt, und»den Injurianten nöthigt, sich so
gegen denInjuriirten zu betragen, daß letzterer
nach psychologischen Gesetzen seinen Schmerz
gelindert fühlt, und die Neigung, ihm durch
widerrechtliche Thathandlung Erleichterung zu
verschaffen, verliert.*)
_ In
*) Ein sehr ehrlicher Taqlähner war nach einem
Wortwechsel aus offner Strafe von einem Vorneh-
men durch Schimpfwörter miLhandelt worden.
Er läuft zum Amtmann und klagt auf Genug»
thuung. Dieser gegen den Taglöhner eingenom-
wen, weift ihn kalt ab, ohne seine Klage proto-
cvUirra

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