Full text: Volume (Bd. 1 (1800))

tte&er Verletzung. deS guten Namen- u. d. Ehre. 55
Giebt es dagegen solche Güter, welche nur
oder vorzüglich in der Vorstellung derjenigen
Menschen, welche nickt selbst Besitzer derselben
si-,d, Würklichkeit haben, ist die Vorstellung
Anderer Object eineS Guts, von welchem ein
Dritter Subject ist, so muß dieses Subject
durch Zwang jene Vorstellungen gegen Verän-
derungen zu schützen vermögen, oder es kann
den möglichen und künftigen Verlust solcher
Güter durch gegenwärtigen Einfluß auf die
sinnliche Natur nicht verhüten. Ist es nun er-
weislich unmöglich, die Vorstellungen ande-
rer von einem uns zuständigen Gut durch Ge-
walt zu bestimmen, so können grabe durch die»
seDorstellungen entstehende Güter, gegen künf-
tige Verletzung durch Zwang nicht gesichert
werben.
Wenn mich nicht alles trügt, so gehört gu-
ter Name zu Gütern dieser Art. Er liegt in
dem freyen und unwillkührlichen Bewußtseyn
der um und neben demjenigen, der einen guten
Ramm zu verlieren oder zu erhalten hat, le-
benden Mensihen. Frey ist dieses Bewußtseyn,
indem daS Subject eines guten NamenS durch
Uebermacht physischer Kraft es nicht Hervor-
bringen, durch Mangel dieser Uebermacht es
nicht schwächen kann. Der mächtige Vezier des
mächtigsten Despoten wird, wenn ich schlechte
Handlungen von ihm erfahren habe, mit allem
Schrecken seiner Gewalt in meinem Privatur-
theil seinen gutenNamen nicht echaltenkönnen.
Und die hülflose Unschuld im Kerker wird kei-
nes bewaffneten Vertheidigers bedürfen , um
in meinem Urtheil ihren guten Namen nicht zu
verlieren — wenn auch eine Stimme vom
Thron herab ihr Ankläger geworden wäre. Eben

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