Full text: Magazin für die Philosophie und Geschichte des Rechts und der Gesetzgebung (Bd. 1 (1800))

jum positiven Rechte.

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Sobald der Mensch zum Selbstbewußtseyn
erwacht und Betrachtungen über sich und über
die Gegenstände um ihn herum anzustellen be-
ginnt , findet er sich in einer eignen Beziehung
ju andern Menschen, er lebt unter Gesetzen,
muß gewissen Obern gehorchen, muß dieß oder
jenes thun, unterlassen rc. kurz er findet sich in
einem rechtlichen Verhältnisse. Unmöglich
kann tg ihm gleichgültig seyn, wie dieser be-
schaffen sey, ob der Staat, in welchem er sein
Daseyn empfienq, rin Spiel des bloßen Zufalls,
ob es nur der Eigenwille seiner Obern sey, was
ihn von allen Seiten beschränke. Man bat da-
her zu allen Zeiten dringend gefragt in, welchem
Punkt Naturrecht und positives Recht zusam-
mentreff«, ob und wie eine Vereinigung beyder
zu hoffen sey, und wenn man zum Naturrechte
feine Zuflucht nehmen könne, um das positive
Recht zu ergänzen?
Man hatte erwarten sollen, daß durch eine
Aufstellung des Naturrechts diese Fragen so-
gleich beantwortet seyn würden; allein der Fall
war gerade der umgekehrte; je mehr Schriften
über dasselbe erschienen, desto unbefriedigendrr
fielen die Anrworten aus und die Rechtsgelehr-
ten thaten sehr wohl, sich um die leeren For-
meln, die man für Naturrecht ausgab, nicht zu
bekümmern: daß sie aber jetzt noch» nachdem
der Grund zu einer reellen Rechtswissenschaft
gelegt ist, keine Notiy davon nehmen, daran
thun sie nicht wohl.
Obige Fragen erscheinen in einem reellen
Naturrechte völlig gehaltlos, da sie eine Verei-
nigung des positiven und natürlichen Rechts
voraurseyen, welche unmöglich ist, dasie nie
getrennt waren.
Das

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